Depressionen zu erkennen

Hausärzte besser schulen!

Der Hausarzt gilt als Schaltstelle bei der Diagnose und Behandlung von Depressionen. Im Vorfeld des Europäischen Depressionstages haben Fachverbände nun gefordert, ihn besser auf die Erkennung von seelischen Krankheiten vorzubereiten.

Von Anne Zegelman Veröffentlicht:
Hausärzte besser schulen!

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BERLIN. Hausärzte müssen noch besser im Erkennen und Versorgen von Depressions-Patienten geschult werden, um ihrer wesentlichen Rolle als erster Ansprechpartner gerecht zu werden. Das wurde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin anlässlich des 13. Europäischen Depressionstages am 1. Oktober deutlich, der in diesem Jahr unter dem Motto "Depression: Why know? Why treat?" steht. Seelische Störungen und psychiatrische Erkrankungen müssten fester Bestandteil von Aus-, Weiter- und Fortbildung sein, hieß es.

In Deutschland werden, je nach Region, bis zu 80 Prozent der an einer Depression Erkrankten in der hausärztlichen Praxis behandelt. Das berichtete Professor Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor der Burghof-Klinik in Rinteln und Vertreter der European Depression Association (EDA) in Deutschland.

Im vertrauten Gespräch

Dr. Cornelia Goesmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Hannover und ehemalige Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, sagte: "Oft sind Hausärzte die Ersten, die im vertrauten Gespräch die gedrückte Stimmung ihres Patienten und die Schwere seiner Erkrankung erfassen und die Diagnose ansprechen."

Gegebenenfalls würden die Hausärzte auch eine medikamentöse Therapie einleiten und auf Wunsch des Patienten zum Facharzt oder Psychotherapeuten überweisen.Goesmann legt besonderen Augenmerk auf die oft vertrauensvolle Beziehung zwischen Hausarzt und Patient, die es erleichtern kann, auch sensible Aspekte der Depression zu thematisieren.

In der hausärztlichen Versorgung werde auf der Basis der langjährigen Beziehung zum Behandelten früh und offen über eine drohende Suizidalität gesprochen, und gegebenenfalls sei auch ein rasches Eingreifen möglich.

Professor Jochen Gensichen, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärte, warum die Hausarztpraxis für die überwiegende Anzahl der gut 5,3 Millionen jährlich in Deutschland Neuerkrankten zur ersten Anlaufstelle wird. "Sie bietet sich als niedrigschwelliges und gemeindenahes Angebot an", so Gensichen.

Er berichtete von einer von ihm geleiteten Studie zur kollaborativen Versorgung ("PRimary care Monitoring for depressive Patients Trial", PRoMPT): In dieser Studie wurden erwachsene Depressions-Patienten über einen Zeitraum von zwölf Monaten regelmäßig alle vier Wochen von eigens dazu geschulten medizinischen Fachangestellten (MFA) der Hausarztpraxis angerufen.

Eine signifikante Verbesserung

Die MFA erfragten Symptomatik und Therapietreue – unter Nutzung der Depressions-Monitoring-Liste (DeMoL). Im Anschluss leiteten sie einen Kurzbericht an ihren Hausarzt weiter. Der Arzt konnte so notwendige Änderungen im weiteren Vorgehen veranlassen.

Die Auswertung belege eine statistisch signifikante Verbesserung der Depression. Gensichen forderte: "Die Krankenkassen sollten diese Evidenz aufgreifen und zum Beispiel in ihre Versorgungsprogramme aufnehmen."

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)beteiligt sich ebenso wie die Deutsche Depressions Hilfe und die European Alliance Against Depression am Aktionstag.

"Es ist von enormer Wichtigkeit, dass Hausärzte ausreichend in Diagnostik und leitliniengerechter Behandlung von psychischen Erkrankungen, insbesondere von Depressionen, geschult sind", betonte DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth. Die Gesellschaft bietet deshalb auf ihrem Jahreskongress den Schwerpunkt Hausarztpraxis mit verschiedenen Symposien an. Ein Praxisleitfaden zu psychischen Erkrankungen in der Hausarztpraxis soll außerdem 2017 erscheinen.

Weitere Informationen zum

Aktionstag gibt es auf

www.european-depression-day.de.

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