Ost-West-Unterschied

Herzinsuffizienz-Sterberate im Osten höher

Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es offenbar in Bezug auf die Herzinsuffizienz-Mortalität und -Morbidität noch große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht: 01.07.2020, 10:28 Uhr
Alltag in der Praxis: Ein Herz-Patient wird beraten. Nach wie vor ist Herzinsuffizienz hier eine häufig gestellte Diagnose (Symbolbild mit Fotomodellen).

Alltag in der Praxis: Ein Herz-Patient wird beraten. Nach wie vor ist Herzinsuffizienz hier eine häufig gestellte Diagnose (Symbolbild mit Fotomodellen).

© Elnur/stock.adobe.com

Greifswald. Sind Menschen in Ostdeutschland kränker als in Westdeutschland? Eine derart pauschale Aussage zu treffen, ist sicherlich nicht möglich. Doch legt eine aktuelle Analyse nahe, dass Menschen im Osten offenbar eher an einer Herzinsuffizienz sterben als im Westen.

Kardiologen um Professor Marcus Dörr von der Universitätsmedizin in Greifswald haben die neuesten Daten aus der „Gesundheitsberichterstattung des Bundes“ beim diesjährig virtuell präsentierten Heart-Failure-Kongress vorgestellt.

Besonders deutlich wird an dieser Analyse die Relevanz der Herzinsuffizienz für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung: Die Herzinsuffizienz war der häufigste Grund für eine Klinikeinweisung im Jahr 2017 – und zwar in Gesamtdeutschland.

Sie war für 2,3 Prozent aller Hospitalisierungen verantwortlich. Und die Herzschwäche ist die mit Abstand die häufigste Todesursache in der Klinik: 8,2 Prozent aller 2017 registrierter Todesfälle in Krankenhäusern standen im Zusammenhang mit Herzinsuffizienz.

Immer mehr Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz

Ebenso kristallisiert sich heraus, dass die Herzinsuffizienz-bedingte Krankheitslast in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Von 2000 bis 2017 haben Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz um 93,9 Prozent zugenommen (von 239.694 auf 464.724 Fälle pro Jahr).

Viel stärker ausgeprägt als in Westdeutschland war dieser Trend allerdings in Ostdeutschland (+118,5 Prozent versus +88,3 Prozent).

Warum gibt es diese Unterschiede? Einer der ersten Gedanken, es könnte an der Altersstruktur in Ostdeutschland liegen – also weil dort einfach mehr ältere Menschen wohnen – scheint jedenfalls nicht zuzutreffen. Denn die Unterschiede zeigen sich auch, wenn man die Fälle altersstandardisiert betrachtet.

In jedem einzelnen Bundesland in Ostdeutschland war der relative und absolute Anstieg an Herzinsuffizienz-bedingten Klinikeinweisungen immer höher als in jeglichem Bundesland im Westen.

Vielleicht gab es prinzipiell mehr Hospitalisierungen. Das stimmt zwar, Klinikeinweisungen wegen anderer Diagnosen haben im selben Zeitraum zugenommen – und tendenziell auch mehr in Ostdeutschland (+ 15,9 Prozent versus +10,1 Prozent). Das Ausmaß ist aber deutlich geringer als im Falle der Herzinsuffizienz und der Unterschied zwischen Ost und West ist nicht so deutlich.

Sterberate im Osten höher

Eine erfreuliche Nachricht ist, dass intrahospitale Todesfälle aufgrund einer Herzinsuffizienz in Ostdeutschland in den letzten Jahren leicht zurückgegangen sind. Trotz allem ist die Sterberate dort noch immer höher als in Westdeutschland: mit 65 versus 43 Todesfällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2017. Besonders hoch war die Herzinsuffizienz-bedingte intrahospitale Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Letztlich können Dörr und Kollegen allein auf Basis dieser Daten keine definitive Erklärung für die offenbar nach 30 Jahren Wiedervereinigung noch immer vorhandenen Unterschiede zwischen Ost und West bezüglich der Herzinsuffizienz-Mortalität und -Morbiditiät geben.

Womöglich seien Unterschiede in der Prävalenz von Risikofaktoren oder in der Versorgungsstruktur von Bedeutung, vermuten sie. Weitere Forschung sei notwendig, um die Diskrepanzen besser verstehen zu können.

Weitere Informationen aus der Kardiologie: www.kardiologie.org

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