Direkt zum Inhaltsbereich

Herzschutz durch Folsäure? Nachweis erneut gescheitert

CHICAGO (ob). Erneut ist der Versuch, Schutzeffekte einer Folsäure/B-Vitamin-Behandlung auf Herz und Gefäße unter Beweis zu stellen, ohne Erfolg geblieben: Auch in der großen WAFACS-Studie konnte trotz einer signifikanten Homocystein-Senkung die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nicht verringert werden.

Veröffentlicht:

Nach drei vorherigen Studien (VISP, NORVIT, HOPE-2) ist WAFACS (Women’s Antioxidant and Folic Acid Cardiovascular Study) die nunmehr vierte große Studie, in der die sogenannte Homocystein-Hypothese nicht verifiziert werden konnte.

Nachdem Epidemiologen eine Assoziation von erhöhten Homocystein-Spiegeln mit dem gehäuften Auftreten von kardiovaskulären Erkrankungen beobachtet hatten, lag die Vermutung nahe, daß sich durch Homocystein-Senkung (mit Folsäure/B-Vitaminen) auch das kardiovaskuläre Risiko verringern lasse.

Mit 7,3 Jahren war die Dauer der Beobachtung relativ lang

Diese Erwartung ist in WAFACS einmal mehr enttäuscht worden. In dieser Studie sind 5442 Frauen (Alter > 40 Jahre), bei denen entweder bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung (zwei Drittel) oder zumindest mehrere koronare Risikofaktoren (ein Drittel) dokumentiert waren, täglich entweder mit einem Vitamin-Mix (2,5 mg Folsäure, 50 mg Vitamin B6, 1 mg Vitamin B12) oder Placebo behandelt worden. Mit im Mittel 7,3 Jahren hat WAFACS von allen bisherigen Folsäure-Studien die längste Beobachtungsdauer.

Auf das Ergebnis hatte dies offensichtlich keinen Einfluß. Denn am Ende war die Gesamtzahl der aufgetretenen kardiovaskulären Ereignisse (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Hirninsult, Revaskularisation) mit 402 (Verum) und 390 (Placebo) nahezu gleich, berichtete Studienleiterin Dr. Christine Albert aus Boston beim Kongreß der American Heart Association (AHA) in Chicago. Auch bei exklusiver Betrachtung einzelner Endpunkte wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall fanden sich keine relevanten Unterschiede.

Folsäure-Anreicherung ohne Auswirkung auf Homocystein

Geprüft wurde auch, welche Auswirkungen die Ende der 90er Jahre in den USA eingeführte Folsäure-Anreicherung von Mehl auf die Studie gehabt haben könnte. Als Folge dieser Maßnahme kam es in der Placebo-Gruppe zu einem Anstieg der Folsäure-Konzentration, der allerdings deutlich geringer war als in der Verum-Gruppe und ohne Auswirkung auf den Homocystein-Spiegel blieb.

Die Homocystein-Konzentration war in der Gruppe mit Vitamin-Supplementierung am Ende der Studie signifikant um 18 Prozent niedriger als in der Placebo-Gruppe (10,0 versus 12,2 µmol/l) - ohne daß daraus eine präventive Wirkung resultierte.

Studienleiterin Albert vermutet deshalb, daß Hyperhomocysteinämie zwar ein Risikomarker, jedoch kein an der Entwicklung atherosklerotischer Erkrankungen ursächlich beteiligter Risikofaktor ist.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neudefinition mit praktischen Konsequenzen

COPD: Schon ab einer moderaten Exazerbation in Gruppe E!

Kaum erforscht

Mit Lungenfibrose wird das Sexleben zum Problem

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann