Diabetes

Hoher Blutzucker - hohes Demenzrisiko

Mit steigenden Glukosewerten erhöht sich möglicherweise das Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Wie eine US-Studie nahelegt, gilt dieser Zusammenhang sowohl für Diabetespatienten als auch für Nichtdiabetiker.

Veröffentlicht:

SEATTLE. Eine Forschergruppe um Dr. Paul K. Crane von der University of Washington in Seattle hat 2067 Studienteilnehmer im Alter von mindestens 65 Jahren beobachtet, darunter 232 Diabetiker (NEJM 2013; 369: 540-548).

Nach rund sieben Jahren hatten insgesamt 524 Teilnehmer eine Demenz entwickelt, die meisten in Form von Alzheimer. Der Anteil der an Demenz Erkrankten lag in der Gruppe der Teilnehmer ohne Diabetes bei 26,1 Prozent, in der Gruppe der Diabetespatienten bei 21,6 Prozent.

Wie die US-Wissenschaftler berichten, stieg sowohl bei den Diabetikern als auch bei den Nichtdiabetikern das Risiko für eine Demenz mit dem Blutzuckerspiegel. Bei den Nichtdiabetikern ermittelten die Forscher schon bei einem leicht erhöhten Glukosewert von 115 mg/dl eine Risikoerhöhung um 18 Prozent gegenüber dem als normal geltenden Grenzwert von 100 mg/dl.

Bei Diabetikern mit einer Blutzuckerkonzentration von 190 mg/dl war das Demenzrisiko sogar um 40 Prozent erhöht im Vergleich zu Patienten mit einem Durchschnittswert von 160 mg/dl.

Erhöhte Glukosewerte üben möglicherweise eine Schadwirkung auf das alternde Gehirn aus, spekulieren die Wissenschaftler. Dabei ist noch nicht klar, über welche Mechanismen dies abläuft. Diskutiert wird zum Beispiel eine hyperglykämiebedingte Schädigung der kleinen Gefäße im Gehirn.

Theoretisch wäre aber noch eine ganz andere Erklärung für die Studienergebnisse denkbar: Dass nämlich demente Diabetespatienten wenig auf ihre Ernährung achten und es dadurch erst vermehrt zu Hyperglykämien kommt. Die Tatsache, dass der Zusammenhang auch bei Nichtdiabetikern besteht, spricht nach Studienautor Crane jedoch gegen einen solchen Effekt.

Wie die US-Forscher betonen, beweist die Studie aber nicht, dass Menschen ihr Demenzrisiko mindern können, wenn es ihnen gelingt, ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Ob dies tatsächlich so ist, müssen zukünftige Arbeiten klären. (eo)

Mehr zum Thema

2. Preis Charity Award 2021

AGPD: Kampagne gegen Ketoazidose bei Kindern

Charity Award 2021

Spahn: Der Sozialstaat schafft Sicherheit

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Chronischer Pruritus: Heftigster Juckreiz

© Aleksej / stock.adobe.com

Therapeutischer Dreiklang

Was sich gegen ständiges Jucken tun lässt

Mehr Inzidenzen = ein guter Grund für den dritten Piks? Einige im Gesundheitssystem vertrauen dieser Rechnung.

© Fokussiert / stock.adobe.com

COVID-19-Pandemie

Hohe Inzidenz lässt Ruf nach mehr Drittimpfungen lauter werden