Testosteron-Mangel

Hormone allein nützen wenig fürs Anti-Aging

ROCHESTER (ner). Bei Männern mit Hypogonadismus ist der Nutzen einer Testosteron-Therapie gut belegt. Bei älteren Männern ohne Hormonmangel kann jedoch weder eine Testosteron- noch eine DHEA-Substitution die Fitneß oder die Lebensqualität verbessern, hat eine neue Studie ergeben.

Veröffentlicht: 30.11.2006, 08:00 Uhr

Zur Anti-Aging-Therapie seien diese Hormone daher nicht geeignet, berichten US-Forscher (NEJM 355, 2006, 1647).

An der zweijährigen Doppelblindstudie beteiligten sich 87 Männer und 57 Frauen, alle über 60 Jahren alt. Die Teilnehmer hatten zwar niedrige DHEA und Testosteron-Spiegel, doch bei den Männern war keine Testosteron-Substitution indiziert - der Gesamt-Testosteronwert lag im Schnitt zwischen 10 und 11 nmol/l. Von den Männern erhielt jeweils etwa ein Drittel täglich 75  mg DHEA oder 5  mg Testosteron über ein Pflaster oder Placebo. Die Frauen erhielten 50  mg DHEA oder Placebo.

Die Ergebnisse: Bei der körperlichen Leistungsfähigkeit, der Muskelkraft und der Lebensqualität gab es, wie bereits kurz berichtet, keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Bei den mit DHEA oder Testosteron behandelten Teilnehmern sank der Körperfettanteil leicht, auch die Knochendichte stieg geringfügig, jedoch nur an jeweils einem von insgesamt fünf Meßpunkten des Skeletts: Die Dichte war am Oberschenkelhals bei Männern, nicht aber bei Frauen, mit DHEA um zwei Prozent und mit Testosteron um drei Prozent größer als mit Placebo. Bei Frauen, nicht aber bei Männern, erhöhte sich die Dichte des distalen Radius um zwei Prozent.

"Den DHEA-Teil der Studie kann ich nachvollziehen", sagte der Männerarzt Dr. Joachim Dietz vom Schwarzwald MedicalCenter Obertal zur "Ärzte Zeitung". DHEA müsse im Körper erst in Testosteron umgewandelt werden. Bei den oft übergewichtigen Männern, die sich zu wenig bewegten und oft zuviel Alkohol tränken, könne das die Leber oft nicht mehr leisten.

Dietz hält jedoch Testosteron zur Anti-Aging-Behandlung durchaus für nützlich. Dabei müsse die pharmakologische Therapie aber mit Lebensstiländerungen kombiniert werden, am besten unter Anleitung: täglich Bewegung, weniger Alkohol, Ernährungsumstellung. Dadurch komme die körpereigene Testosteron-Produktion oft wieder in Gang. Nach einem Dreivierteljahr könne das Testosteron oft reduziert oder abgesetzt werden.



STICHWORT

Testosteron-Therapie

Nach einem Konsensuspapier von Urologen-Vereinigungen wird eine Testosteron-Substitution bei Männern empfohlen, wenn der Gesamt-Testosteron-Wert unter 8 nmol/l (277 ng/dl) liegt. Bei Werten von 8 und 12 nmol/l (416 ng/dl) ist eine Substitution zu erwägen, wenn Hypogonadismus-Symptome auftreten und andere Ursachen dafür als ein Testosteron-Mangel ausgeschlossen sind. Hypogonadismus-Symptome sind etwa Aktivitätsverlust, Ermüdung oder Potenzschwäche. Bei Werten über 12 nmol/l wird keine Substitution empfohlen.

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