Leukämie

Impfung schützt AML-Patienten vor Rezidiven

Durch eine Impfung mit körpereigenen Zellen lässt sich bei Patienten, die an akuter myeloischer Leukämie erkrankt sind, die Remissionsdauer nach einer Chemotherapie deutlich verlängern.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Leukozyten in einer Blutprobe eines AML-Patienten. Die Zellen wurden in der Aufnahme blau eingefärbt.

Leukozyten in einer Blutprobe eines AML-Patienten. Die Zellen wurden in der Aufnahme blau eingefärbt.

© Becker / science photo library

BOSTON / USA. Erste gute Erfahrungen mit der Strategie, AML-Patienten mit körpereigenen Zellen zu impfen, haben Dr. Jacalyn Rosenblatt vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston in den USA und ihre Kollegen bereits bei Patienten mit multiplem Myelom gesammelt.

Für diesen individualisierten Impfansatz werden antigenpräsentierende dendritische Zellen des Patienten ex vivo mit dessen Krebszellen fusioniert und dann am Oberschenkel subkutan injiziert.

Bei AML-Patienten mit unterschiedlichen Formen der Leukämie wurden Krebszellen verwendet, die die Marker CD38, CD34, CD117, CD64 und MUC1 auf ihrer Oberfläche tragen. Die für die Fusion verwendeten autologen dendritischen Zellen waren CD80-, CD86- und CD83-positiv.

Drei Impfdosen in drei Monaten

Für die Pilotstudie wählten Rosenblatt und ihre Kollegen 17 AML-Patienten, die unter anderem mit Mitomycin, Etoposid und Cytarabin behandelt worden waren (Science Transl Med 2016; 8: 368ra171).

Die Patienten waren median 63 Jahre alt und befanden sich nach der Induktions- und Konsolidierungschemotherapie in Remission. Ihnen wurden zur Vorbereitung der Impfung mit mindestens einer Dosis AMLZellen aus dem Knochenmark oder per Leukapherese aus dem peripheren Blut entnommen. Autologe dendritische Zellen wurden ausschließlich per Leukapherese gewonnen.

In vitro wurden dann beide Zellarten in Gegenwart von Polyethylenglykol kultiviert und dadurch fusioniert. Anhand der spezifischen Oberflächenmarker isolierten die Wissenschaftler schließlich die fusionierten Zellen und froren sie ein.

Am Tag der Impfung bestrahlten sie sie mit einer Dosis von 30 Gy. Geplant waren drei Impfdosen im Abstand von jeweils vier Wochen. Darüber hinaus erhielten die Patienten an der Impfstelle am Tag der Vakzinierung eine Injektion von 300 μg des koloniestimulierenden Faktors GM-CSF.

Vor der Impfung wurde die Effektivität, mit der die fusionierten Zellen die Proliferation von T-Lymphozyten stimulierten, in einem Test mit allogenen Zellen überprüft. Insgesamt 14 der 17 Patienten erhielten drei Impfdosen, zwei Patienten nur zwei. Ein Patient wurde nur einmal geimpft und erlitt ein Rezidiv, bevor die anderen Impfungen verabreicht werden konnten.

Kein Rezidiv im ersten Jahr

Durch die Impfung werden quasi die antileukämischen Effekte der Transplantation hämatopoetischer Stammzellen nachgeahmt, der sogenannte Graft-versus-Leukemia-Effekt.

Wie Rosenblatt und ihre Kollegen berichten, erhöhte sich nach der Impfung der Anteil der AML-spezifischen CD4-positiven Helferlymphozyten um das 5,4-Fache, der Anteil der CD8-positiven leukämiespezifischen zytotoxischen T-Zellen um das 15,7-Fache.

Die erhöhten Zellzahlen ließen sich auch ein halbes Jahr nach der letzten Impfdosis noch im Blut nachweisen. Zwölf der 17 geimpften AML-Patienten (71 Prozent) überlebten in Remission noch 16,7 bis 66,5 Monate seit Beginn der Impfung, bei einem medianen Follow-up von 57 Monaten. Bei keinem Patienten sei es innerhalb des ersten Jahres nach vollständiger Impfung zu einem Rezidiv gekommen, so die Ärzte.

Chemotherapie weniger erfolgreich

Nach vier Jahren lebten noch 71 Prozent der Geimpften ohne Fortschreiten der AML. Sowohl das mediane progressionsfreie als auch das Gesamtüberleben seien noch nicht erreicht, so Rosenblatt und ihre Kollegen. Der Erfolg der Impfung basiere auf der Kombination der zytoreduktiven Strategie mit der Impfung.

Die Ärzte erinnern daran, dass die Chemotherapie allein bei AML-Patienten weniger erfolgreich ist. Bei Patienten über 60 etwa liege nach zwei Jahren der Anteil der Patienten ohne Rezidiv bei maximal 20 Prozent.

Selbst bei Patienten jünger als 60, bei denen eine komplette Remission erzielt worden sei, liege die Gesamtüberlebensrate nach fünf Jahren nur bei 35 Prozent.

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