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Infertilität bei Männern - das ist meist ein Fall für Chirurgen

ESSEN (ner). Die Therapie von Männern mit Infertilität ist heute vor allem eine Job für Chirurgen: Sie können verschlossene Samenwege wieder öffnen oder Spermien zur künstlichen Befruchtung aus den Hoden entnehmen.

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Medikamentöse Therapien sind dagegen seit vielen Jahren beim Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie (OAT)-Syndrom umstritten. In kontrollierten Studien seien weder für das nicht mehr erhältliche Kallekrein noch für Antiöstrogene positive Effekte nachgewiesen worden, so Privatdozent Herbert Sperling und seine Kollegen von der Urologischen Universitätsklinik in Essen.

Auch rekombinantes FSH (Follikel stimulierendes Hormon), Androgene, Antioxidantien sowie Mastzell- und Alpha-Blocker hätten nur vereinzelt zu Erfolgen geführt (Urologe 44, 2005, 1147).

Dagegen hätten sich die Erfolgsraten mikrochirurgischer Eingriffe in den vergangenen 15 bis 20 Jahren wesentlich verbessert, berichtet Sperling. So liege die Schwangerschaftsrate nach Vasovasostomie, also der Vernähung der Stümpfe des Ductus deferens, um die 50 Prozent.

Bei den Patienten handelt es sich heute nicht mehr so oft um Männer mit angeborenen oder erworbenen Fertilitätsstörungen wie früher, sondern bei bis zu 50 Prozent um Männer, die nach erfolgter Vasektomie wegen eines erneuten Kinderwunsches den Arzt aufsuchen. Der kann ihnen auch helfen, wenn die Vasektomie mehr als zehn Jahre her ist. Die Erfolgsrate nach einem chirurgischen Eingriff ist dabei ähnlich hoch wie bei einer Vasektomie, die erst vor kurzem gemacht wurde.

Erst nach 25 Jahren sinken die Chancen auf eine Schwangerschaft. Allerdings müsse auch das Alter der Partnerin beachtet werden. So wurden in einer Studie mit Männern, die sich 15 Jahre nach Vasektomie operieren ließen, 64 Prozent der Partnerinnen schwanger, wenn die Partnerin unter 30 Jahre alt war. Waren die Partnerinnen älter als 40, sank die Schwangerschaftsrate auf 28 Prozent.

Erfolgsraten von 20 Prozent bei künstlicher Befruchtung

Unabdingbar für den Erfolg der Op bei verschlossenen oder durchtrennten Samenwegen sei ein intensives mikrochirurgisches Training der Operateure, berichten die Essener Urologen. Dies gelte um so mehr, als bei Refertilisationen häufig ein Anschluß des Samenleiters an den samentragenden Nebenhoden-Tubulus erforderlich ist. Bei nicht obstruktiver Azoospermie ist die künstliche Befruchtung Mittel der Wahl.

Dazu sollten Spermien aus verschiedenen Bereichen des Hodens entnommen werden, denn die Spermien sind in verschiedenen Bereichen unterschiedlich gereift. Die Schwangerschaftsraten liegen mit der künstlichen Befruchtung bei 20 Prozent.

Junge Männer mit Tumorerkrankungen sollten vor einer Krebstherapie Samenzellen einfrieren lassen, da Chemotherapeutika und Bestrahlung zur Infertilität führen können. Die Kryokonservierung sei auch bei Heranwachsenden in der Pubertät möglich und sinnvoll, so Sperling.

Patienten mit kongenitaler, bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD) sollten vor einer Fertilisationstherapie eine humangenetische Beratung in Anspruch nehmen. Denn bei CBAVD handelt es sich um eine milde Form der zystischen Fibrose. Liegt auch bei der Partnerin eine entsprechende genetische Mutation vor, ist das Mukoviszidose-Risiko für die Nachkommen erheblich.



STICHWORT

OAT-Syndrom

Das Oligo-Astheno-Terato-Zoospermie (OAT)-Syndrom ist die häufigste Fertilitätsstörung des Mannes. Dabei ist die Spermiendichte im Ejakulat vermindert (Oligozoospermie), die Beweglichkeit der Spermien beeinträchtigt (Asthenoospermie) und die Fehlbildungsrate der Spermien (Teratozoospermie) erhöht. (ner)

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