Hypertonie

Ist die renale Denervation oft nicht indiziert?

Ein gemeinsames Zertifizierungsprogramm dreier Fachgesellschaften soll einer unkontrollierten Anwendung der renalen Denervation Einhalt gebieten.

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MÜNSTER. Die Zahl der Hypertoniepatienten, die in Deutschland invasiv mit renaler Denervation therapiert werden, steige derzeit stark an, sagte der Hochdruckexperte Dr. Siegfried Eckert vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen: "Wir beobachten, dass das Verfahren zunehmend in kleineren Häusern und Praxen angeboten wird, haben aber leider keinen genauen Überblick." Die Zahl der Interventionen gehe wohl "in die Tausende".

Anlässlich der Jahrestagung der Hochdruckliga in Münster haben Bluthochdruckexperten noch einmal verdeutlicht, welche Patienten von dem Verfahren profitieren und bei wem es nicht indiziert ist.

Es handele sich um ein Verfahren für Patienten, die trotz einer medikamentösen Mehrfachkombination inklusive Diuretikum einen Blutdruck von 160/90 mmHg oder darüber aufwiesen, so Kongresspräsident Eckert.

Zudem müssten sekundäre Ursachen definitiv ausgeschlossen und Lebensstilmaßnahmen ausgeschöpft sein. Auch die Niere muss funktionieren (eGFR ›45 ml/min).

Zertifikat nur bei ausgewiesenem Hypertensiologen

Die Hochdruckliga sieht derzeit die Gefahr, dass die Indikation zur renalen Denervation zu lax gestellt wird. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie wird deswegen ab 2014 ein Zertifizierungsprogramm gestartet, bei dem überprüft werden soll, ob sich die Einrichtungen an die von den drei Fachgesellschaften gemeinsam formulierten Therapiegrundsätze halten.

Unter anderem soll das Zertifikat nur dann verliehen werden, wenn die Einrichtung über einen ausgewiesenen Hypertensiologen verfügt.

Natürlich könne mit einer solchen Zertifizierung nicht verhindert werden, dass nicht zertifizierte Einrichtungen das Verfahren anbieten, gab Eckert zu.

Die Hoffnung ist deswegen, dass die Kostenträger die Erstattung der renalen Denervation mittelfristig von einer Zertifizierung abhängig machen. Erste Gespräche mit Krankenkassen gebe es bereits, so Eckert. (gvg)

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