Kommentar zu Amputationsraten

Jedes Jahr aufs Neue...

Pro Jahr werden in Deutschland 50.000 Amputationen vorgenommen. Warum ist diese Zahl so hoch? Unser Autor Thomas Meißner hat dazu eine Meinung.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

In schöner Regelmäßigkeit muss über fünfstellige Amputationsraten in Deutschland berichtet werden. Inzwischen sind wir bei einer Zahl von 50.000 pro Jahr angekommen. Das mag zu großen Teilen der weiter ansteigenden Welle an Diabetes-Erkrankungen geschuldet sein – und dies erklärt das bestehende Ost-West-Gefälle. Denn Typ-2-Diabetes ist im Osten Deutschlands deutlich häufiger als in westlichen Bundesländern.

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Wenn jedoch andererseits Gefäßchirurgen berichten, dass nur 25 Prozent der Patienten mit chronischen Wunden auf Gefäßerkrankungen untersucht werden, macht das nachdenklich. Woran kann das liegen? Zu wenig Spezialisten? Wohl kaum: Es gibt ein Netz zertifizierter Wundzentren und zertifizierter gefäßmedizinischer Zentren in Deutschland.

Ist es dann ein zu wenig an „Commitment“, wie jetzt ein Heidelberger Gefäßchirurg bei einer Pressekonferenz andeutete? Nun, es ist leicht, mit dem Finger auf die Primärärzte zu zeigen – auch das ist eine gut eingeübte Tradition klinischer Spezialisten.

Die Einführung des Zweitmeinungsverfahrens vor Amputationen war zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, der „Fußpass“ ein weiterer. Aber womöglich bedarf es doch noch einmal einer tiefgreifenderen und differenzierten Ursachenanalyse. Ansonsten ist in fünf Jahren die Viertelmillion Amputationen, gerechnet ab heute, voll.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

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