Schilddrüsen-Erkrankungen

Kalte Schilddrüsenknoten nur selten bösartig

Schilddrüsenknoten sind in dem ehemaligen Jodmangelgebiet Deutschland besonders bei der älteren Bevölkerung mit einer Inzidenz von 20 bis 40 Prozent immer noch recht häufig.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Die Sonografie gehört zur differenzierten Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen.

Die Sonografie gehört zur differenzierten Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen.

© Alexander Raths/shutterstock.com

STUTTGART. "Jeder echoarme, szintigrafisch minderspeichernde Schilddrüsenknoten, der größer als ein bis eineinhalb Zentimeter ist, sollte zum Ausschluss eines Malignoms punktiert werden".

Dies empfiehlt Professor Martin Grußendorf, nach dessen Einschätzung in Deutschland zu wenig punktiert und zu viel operiert wird.

Die Differenzialdiagnostik von Schilddrüsenknoten ist nach Einschätzung des Experten in einem ehemaligen Jodmangelgebiet wie Deutschland schwierig, denn sie seien besonders bei der älteren Bevölkerung mit einer Inzidenz von 20 bis 40 Prozent immer noch häufig.

Nur ein geringer Teil der kalten Knoten sei aber tatsächlich bösartig. Zwar werden Grußendorf zufolge auch in der neueren Literatur hohe Malignitätsraten zwischen fünf und zehn Prozent aller punktierten Knoten angegeben.

Geringer Anteil Karzinome bei Punktionen in der Praxis

In der täglichen Praxis liegen sie jedoch deutlich niedriger. Nach einer eigenen Auswertung von 6000 Punktionen hat der Anteil der Karzinome - sogar bei einem schon vorselektionierten Patientenkollektiv - bei nur 1,7 Prozent gelegen, sagte Grußendorf zur "Ärzte Zeitung".

Gründe für die Diskrepanz sieht er darin, dass die Untersuchungen meist aus jodreichen Ländern stammen, in denen jodmangelbedingte Schilddrüsenknoten deutlich seltener seien und jeder neu aufgetretene Knoten schon per se verdächtig sei.

Zum anderen seien bei den publizierten Auswertungen der Histologien auch die papillären Mikrokarzinome erfasst worden, die klinisch nicht von Bedeutung seien, da sie keine Auswirkung auf die Morbidität und Mortalität haben.

Grundlage jeder Therapieentscheidung müsse immer eine differenzierte Diagnostik sein: Dazu gehöre eine ausführliche Anamnese mit Fragen nach dem Auftreten der ersten Symptome, Progression, Heiserkeit, Familienanamnese und frühere Bestrahlungen der Kopf-Hals-Region; der Palpationsbefund, die Sonografie sowie Dopplersonografie, die Szintigrafie und das Schilddrüsenlabor sowie bei größeren minderspeichernden Knoten die Punktion zum Ausschluss eines malignen Prozesses.

Mittelgroße Knoten häufigster Befund

Für das Labor gilt: immer TSH, eventuell auch (f)T3, (f)T4; bei Verdacht auf Autoimmunthyreoditis TPO oder Tg-Antikörper.

Die häufigsten Befunde im früheren Jodmangelgebiet Deutschland und gleichzeitig schwierige diagnostische Konstellationen im Hinblick auf eine Operationsindikation sind Grußendorf zufolge ein oder mehrere mittelgroße minderspeichernde Knoten, die zytologisch nicht suspekt sind.

Hier rät er zum Abwarten oder zu einer medikamentösen Therapie mit Thyroxin, Jod oder beides kombiniert - in Abhängigkeit vom TSH und dem Antikörperstatus.

Die zweite häufiger auftretende Konstellation: ein oder mehrere größere, zytologisch nicht suspekte Knoten in einer Struma mit einem Volumen über 60 ml. In diesem Fall rät der Experte eher zur Operation, abhängig vom Alter, dem Verlauf der Struma und dem Ergebnis der Dopplersonografie.

Wichtigste Parameter für eine Op-Indikation bei negativer Zytologie seien Struktur und Größenverlauf im Sonogramm und Perfusionstyp im Dopplersonogramm.

Die Schilddrüsen-Initiative Papillon ruft auch dieses Jahr wieder zur Schilddrüsenwoche vom 23. bis 27. April auf, Infos unter: www.schilddruese.de

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