Hörsturz

Kein Hinweis auf Nutzen von Infusionen

Der MDS hat sich mit der rheologischen Infusionstherapie beim Hörsturz befasst. Die abschließende Bewertung lautet auf negativ.

Veröffentlicht: 21.02.2017, 14:15 Uhr

ESSEN. Jährlich erleiden zwei bis vier von 1000 Menschen in Deutschland einen idiopathischen Hörsturz. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt, diskutiert werden zelluläre, vaskuläre und rheologische Störungen. Wo die Ursache unbekannt ist, lässt sich über die wirksamste Art der Behandlung nur spekulieren. Gegen Hörsturz werden neben Glukokortikoiden, hyperbarer Oxygenierung und antiviralen Therapien auch rheologische Infusionen eingesetzt, die wenigstens der Idee nach Hämodilution, Volumen, Fluidität und Plasmaviskosität günstig beeinflussen sollen.

Dieser rheologischen Infusionstherapie, angeboten als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), hat der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) nun einen Bericht für den IGeL-Monitor gewidmet (IGeL-Monitor, 5. Januar 2017). Die systematische Recherche nach Übersichtsarbeiten sowie randomisierten und kontrollierten Studien führte zu drei relevanten Reviews. Die dort untersuchten Studien verwendeten allerdings meist Substanzen, die in Deutschland nicht verkehrsfähig sind oder für die Indikation Hörsturz nicht mehr empfohlen werden, etwa Hydroxyethylstärke.

Für die Analyse kamen demnach nur zwei Studien infrage, beide rund 25 Jahre alt (Laryngoscope, 1992; 102: 65–68; Acta Otolaryngol, 1992; 112: 435–443). Die eingesetzten Rheologika waren Kochsalzlösung mit Procain bzw. niedermolekulares Dextran-40 sowie Kochsalzlösung plus Pentoxifyllin bzw. Dextran plus Pentoxifyllin.

Hinweise auf einen Nutzen der Therapie verglichen mit Infusionen reiner isotonischer Kochsalzlösung fanden die MDS-Autoren nicht. In einer der Studien kam es unter der Verumgabe signifikant häufiger zu Übelkeit und Erbrechen. "Darüber hinaus geht aus den Fachinformationen der eingesetzten Substanzen hervor, dass unter Umständen auch mit zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen zu rechnen ist", heißt es in dem MDS-Bericht. Bei insgesamt niedriger, für den Beleg von Nebenwirkungen aber laut Aussage der MDS-Autoren ausreichender Evidenzlage bewerten sie die rheologische Infusionstherapie beim Hörsturz als negativ.

Das Urteil steht im Einklang mit der bis Ende 2016 gültigen, nunmehr in Überprüfung befindlichen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie zum akuten idiopathischen sensorineuralen Hörverlust. Als Behandlung empfiehlt sie primär systemische, hoch dosierte Glukokortikoide, unter Umständen auch als intratympanale Therapie. (rb)

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