Allergie

Keine Diäten aus dem Internet!

Eltern sollten Kindern mit Allergien nicht ohne ärztliche Beratung Diäten auferlegen, warnt eine Pädiaterin.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:

BERLIN. Eltern sind oft überzeugt, dass hinter atopischer Dermatitis (AD) oder anderen Allergien ihrer Kinder eine Nahrungsmittelallergie steckt. Internetinformationen bestärken sie, ihren Kindern auch ohne ärztliche Beratung unsinnige und strikte Diäten aufzuerlegen.

"Bei Dr. Goggle findet sich gefährliches Halbwissen, werden Begriffe vermischt, Altersgruppen nicht auseinander gehalten und teils veraltete Informationen geliefert", stellte Kinderärztin Dr. Ute Staden, Berlin, bei der eigenen Recherche zur AD fest.

Ob "Eatsmarter", "Netdoktor" oder "Reformhaus Ratgeber", bei Neurodermitis wird die Diät unkritisch als wesentliche Behandlung empfohlen. "Dabei haben zwei Drittel der Kinder mit AD gar keine Nahrungsmittelallergie", betonte sie beim 11. Deutscher Allergiekongress in Berlin.

Nahrungsmittelprovokation als Hilfe

Die Nahrungsmittelprovokation kann die Situation klären und eine differenziertere Therapie ermöglichen. So im Falle eines zehn Monate alten Jungen, der im 5. Monat die Pre-Nahrung verweigerte und im 7. Lebensmonat nach zwei Löffeln Kuhmilchbrei eine periorale Rötung und Quaddeln.

Im 8. Monat entwickelte bereits nach einem Löffel Kuhmilchbrei eine starke Lippenschwellung und im 9. Lebensmonat hatte er eine infektassoziierte obstruktive Bronchitis. Der betreuende Kinderarzt fand in der serologischen Diagnostik keinen Hinweis auf eine Allergie.

Der von Staden selbst durchgeführte Pricktest im zehnten Monat zeigte einen Hautindex auf Kuhmilch von 2,3. Sie riet, erst einmal – soweit möglich – weiter zu stillen und mittelfristig einen Provokationstest durchzuführen.

Besserung beim zweiten Test

Bei der Wiedervorstellung sechs Monate später vertrug der Junge verbackenes Ei, bei kleinen Mengen von Rührei traten wieder periorale Rötung und Quaddeln auf. Der serologische Test war für Kuhmilch/ Kasein negativ, aber Hühnereiweiß und das hitzestabile GAL d1 waren leicht erhöht. Im Pricktest lag der Kuhmilchhautindex nur noch bei 1,3, der Index für Hühnereiweiß bei 1,7.

Weil der Besuch der Kindertagesstätte anstand, waren die Eltern schließlich zu einer stationären Nahrungsmittelprovokation bereit. Dort reagierte das Kind auf Kuhmilch nicht, aber auf rohes Hühnerei, allerdings erst 2,5 Stunden nach der letzten Gabe, dann aber heftig mit generalisierter Rötung, generalisierter Urtikaria sowie deutlicher Obstruktion.

In der Konsequenz darf der Junge weiterhin Milchprodukte verzehren. Verbackenes Hühnerei, das er zuvor vertragen hatte, bekommt er aber zukünftig nur von den Eltern. "In der KiTa machen wir da keine Experimente!" betonte Staden.

Aufgrund der schweren Reaktion im Provokationstest hat sie eine Schulung durchgeführt und ein Notfallset mit Adrenalin-Pen verschrieben. "Dank der Nahrungsmittelprovokation fällt nur ein Nahrungsmittel weg, ansonsten kann das Kind normal ernährt werden", resümierte sie.

Mehr zum Thema

Orale Hyposensibilisierung

Arzneimittel gegen Erdnussallergie wird vom Markt genommen

Allergien und Entzündungen

Welchen Nutzen Vitamin C bei Allergien haben kann

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Schematische Wirkprinzipien verschiedener immuntherapeutischer Ansätze beim Multiplen Myelom

© Johnson & Johnson

Therapie des Multiplen Myeloms

Ebnet die Präzisionsmedizin den Weg zur funktionellen Heilung dieser Neoplasie?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist

Eine Pillenbox gefüllt mit Medikamenten.

© Mouse family / stock.adobe.com

Tipps aus der Medizin, Pflege und Pharmazie

Wie sich die Adhärenz bei oraler Tumortherapie steigern lässt

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?