Kinderpsychiater warnen vor Unterversorgung

AACHEN (ras). Defizite bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen sieht der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Professor Dr. Michael Schulte-Markwort.

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Die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen bei jungen Menschen hätten in den vergangenen 30 Jahren nicht zugenommen, so Schulte-Markwort beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Aachen. Dennoch reiche die Zahl der Behandlungsplätze bei immer weiter verbesserten Diagnosemöglichkeiten und Therapieprogrammen in Kliniken und Praxen bei weitem nicht aus, um dem Versorgungsbedarf adäquat zu decken.

Hinzu komme, dass das Wissen um psychische Erkrankungen in der Bevölkerung deutlich zugenommen habe. Dies führe zu vermehrten Zuweisungen in die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weiterhin würden Risikogruppen, wie etwa chronisch kranke Kinder, heute früher erkannt. Diesen positiven Entwicklungen könne man allerdings nicht adäquat begegnen, so Schulte-Markwort.

Der Präsident der DGKJP argumentierte, etwa 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen seien psychisch auffällig, weitere zehn Prozent zeigten psychosomatische Symptome. Deshalb müsse man mit gut fünf Millionen potenziellen Patienten unter 18 Jahren rechnen. Von diesen wiederum bedürften etwa die Hälfte, also 2,5 Millionen, einer Behandlung.

Die Diagnostik müsse von nur 640 niedergelassenen Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie geleistet werden, für die nicht-medikamentöse Behandlung stünden derzeit 2500 psychologische Kinder- und Jugendpsychotherapeuten zur Verfügung. Damit seien Wartezeiten von Monaten bis Jahren für ambulante psychotherapeutische Behandlungen an der Tagesordnung.

Es sei untragbar, so Schulte-Markwort, dass "wir nach wie vor eine derart skandalöse Unterversorgung in Kauf nehmen."

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