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Koma durch EHEC: Die Meisten haben das ohne Spätschäden überstanden

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Ein überraschend hoher Anteil der Patienten, die im Mai und Juni schwer an EHEC erkrankt waren, hatte auch neurologische Komplikationen wie epileptische Anfälle oder fielen ins Koma. Wer sich erholte, überstand die Infektion aber meist ohne Spätfolgen.

WIESBADEN (mut). Eine Auswertung aus drei großen Hamburger Kliniken zu 217 EHEC-Patienten mit hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) stellte Professor Christian Gerloff beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Wiesbaden vor. Bei den Patienten kam es einerseits zu einem Versagen der Nierenfunktion, andererseits zu Anämie und Thombozytopenie.

Ursache des HUS sind Bakterientoxine, die Erythrozyten zerstören. Folge der Hämolyse sind Blutarmut und Niereninsuffizienz, da Zelltrümmer die feinen Blutgefäße verkleben. Eine Befürchtung war auch, Hirngefäße könnten verstopfen und Infarkte auslösen, so der Experte vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Die Hälfte der HUS-Patienten hatte massive neurologische Probleme

104 der 217 HUS-Patienten (48 Prozent, 73 Frauen und 31 Männer) hatten auch massive neurologische Probleme. Sie begannen mit Abgeschlagenheit, Nervosität und Vigilanzminderung, es folgten Aphasie, Apraxie, Paresen, Myoklonien, epileptische Anfälle, schließlich Koma, im Schnitt vier Tage nach HUS-Beginn.

Bei einzelnen kam es aber auch schon vor HUS zu Neuro-EHEC. Die neurologischen Symptome seien also nicht die Folge des HUS, sondern unabhängig davon.

Auch gingen die neurologischen Symptome nicht unbedingt zurück, sobald sich Nierenwerte und Blutbild nach Plasmapherese und Hämodialyse besserten. Im MRT waren bei drei Viertel der Patienten Auffälligkeiten zu erkennen, meist weiße Flecken im Stammhirn und dunkle Veränderungen in der weißen Substanz.

Die Therapie mit dem Antikörper Eculizumab war erfolgreich

Als erfolgreich erwies sich die Therapie mit dem Antikörper Eculizumab, der die Zerstörung von Erythrozyten bremst, indem er ein Komplementprotein inaktiviert. 68 der 104 Neuro-EHEC-Patienten wurden damit behandelt.

Fünf Patienten starben, einer im Status epilepticus. Bis auf drei Patienten haben sich aber alle Überlebenden komplett von den neurologischen Symptomen erholt, die meisten sehr schnell. "Es war erstaunlich zu sehen, dass jemand sieben Tage nach dem Koma wieder zu einer normalen Unterhaltung fähig war", so Gerloff.

Lob für Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Erfreulich gut habe auch die Zusammenarbeit der Ärzte geklappt. So wurden am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf fünf Stationen, darunter drei Intensivstationen für EHEC-Patienten reserviert.

"Es gab da keine Abteilungsgrenzen und keine Diskussion über Kosten. EHEC war ein Beispiel, wie moderne Medizin im Alltag funktionieren kann. Da konnte man Arzt sein ohne Wenn und Aber und sich ausschließlich auf die Patienten konzentrieren", sagte Gerloff.

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