Suchtkrankheiten

Kombi-Therapie für Raucher hat sich bewährt

MÜNCHEN (sto). Wenn man Patienten dazu bewegen möchte, mit dem Rauchen aufzuhören, empfiehlt es sich, die Beratung an die Krankheit anzuknüpfen, an der die Patienten leiden. "Denn die Patienten kennen das gesundheitliche Risiko des Rauchens. Man muß sie nur noch gezielt darauf ansprechen", so der Pneumologe Dr. Pal Bölcskei.

Veröffentlicht: 28.08.2006, 08:00 Uhr

Den Rauchern, die mit dem Rauchen aufhören wollen, müsse Empathie entgegengebracht werden, sagte Bölcskei beim 7. Interdisziplinären Kongreß für Suchtmedizin in München.

Die Tabakabhängigkeit sei eine Krankheit, und zur Behandlung gehörten auch erfolglose Abstinenzversuche. "Dafür sollten wir Verständnis haben", erklärte Bölcskei. Man müsse die Wünsche der Patienten berücksichtigen und dürfe ihnen nichts aufzwingen.

Die Bemühungen der Entwöhnungswilligen können in vielen Fällen durch medikamentöse Hilfen unterstützt werden, erinnerte Bölcskei. Bewährt habe sich eine Kombinationsbehandlung: Als Basistherapie sollten Nikotinpflaster und für den Akutfall zur Behandlung einer entsprechenden Entzugssymptomatik Nikotinkaugummis, Nikotin-Lutsch- oder Nikotin-Sublingual-Tabletten eingesetzt werden.

Wer mehr als 15 Zigaretten pro Tag geraucht hat, sollte so lange mit dem stärksten Nikotinpflaster versorgt werden, bis mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sucht überwunden ist, empfahl Bölcskei. Weil Nikotinpflaster etwa drei bis vier Stunden benötigen, bis ein entsprechender Spiegel aufgebaut ist, sollten in Situationen, in denen der Drang zu rauchen übermächtig wird, zusätzlich kurzwirksamere Kaugummis oder Lutschtabletten eingesetzt werden.

Dabei müsse der Patient jedoch darüber aufgeklärt werden, daß Lutschtabletten relativ viel Nikotin freisetzen und den Speichelfluß anregen, so daß die Tablette unwillkürlich geschluckt wird. Das könne dann zu Magenbeschwerden führen, berichtete Bölcskei.

Eine nicht-nikotinhaltige medikamentöse Unterstützung sei die Einnahme von Bupropion (Zyban®), erklärte Bölcskei. Bei einigen Patienten löse Bupropion sogar ein Ekelgefühl aus und verleide ihnen so das Rauchen. Ein Vorteil sei, daß die Gewichtszunahme unter Bupropion vermindert werde.

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