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Kryokonservierung erhält die Fertilität

DÜSSELDORF (sir). Für Krebspatienten lohnt es sich, wenn sie vor einer Chemo- oder Strahlentherapie über Möglichkeiten beraten werden, ihre Fertilität zu erhalten. Dafür stehen mittlerweile mehrere Methoden für Frauen und Männer zur Verfügung, wie Dr.  Sören von Otte aus Lübeck berichtet hat.

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Das Thema Fertilität gehört zur onkologischen Beratung in einer gynäkologischen Praxis.

Das Thema Fertilität gehört zur onkologischen Beratung in einer gynäkologischen Praxis.

© Foto: Klaro

Bei Frauen habe sich die Entnahme reifer Eizellen wie bei einer herkömmlichen In-vitro-Fertilisation bewährt, sagte von Otte beim Kongress der Frauenärztlichen BundesAkademie in Düsseldorf. Sie könnten eingefroren und dann frühestens sechs bis zwölf Monate nach Abschluss der Krebstherapie wieder eingesetzt werden.

Es gibt aber auch Krebsarten, etwa Leukämien, die nicht erst eine wochenlange ovarielle Hyperstimulation erlauben. "Dann können wir auch unreife Eizellen entnehmen und sie nach In-vitro-Maturation einfrieren", so von Otte. In jedem Falle sei es ratsam, den Kinderwunsch nach Abschluss der onkologischen Therapie kurzfristig umzusetzen.

Eine Alternative zur Entnahme und Kryokonservierung von Eizellen ist auch die Entnahme von Ovarialgewebe und die passagere Verlagerung an eine Körperstelle, die nicht bestrahlt werden muss, oder das Einfrieren und Zurückverpflanzen von Ovarialgewebe. "Weltweit wurden bisher fünf Kinder nach Re-Transplantation kryokonservierten Ovarialgewebes geboren", sagte von Otte.

Eizellen und Spermien lassen sich einfrieren.

Auch bei krebskranken Männern lässt sich die Fertilität erhalten. "Obwohl Spermien gut zur Kryokonservierung geeignet sind, wird diese Möglichkeit nur der Hälfte der betroffenen Patienten angeboten", kritisierte Professor Michael von Wolff aus Heidelberg. Letztlich lasse etwa jeder vierte in Frage kommende Mann Spermien einfrieren; von diesen würden etwa acht bis zehn Prozent später tatsächlich darauf zurückgreifen. Dabei könne eine spätere Befruchtung heute mit modernen Techniken wie der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) selbst bei eingeschränkter Samenqualität gelingen.

Eine ebenfalls erfolgversprechende Methode zum Erhalt der Fertilität bei Frauen und Männern ist die temporäre Herunterregulation der Gonaden, etwa mit GnRH-Agonisten. Dadurch werden die Eierstöcke quasi in eine präpubertäre Funktionsruhe versetzt. Das Gewebe teilt sich dann seltener und ist für eine Chemotherapie weniger angreifbar. Für Frauen gebe es dazu aber erst wenige Studienergebnisse, so von Otte. Die Methode könne auch zusätzlich zum Einfrieren von Eizellen angewandt werden. Für die Therapie von Männern stünden praktisch nur Daten aus Tierexperimenten zur Verfügung, so von Wolff.

Selbst die präpubertäre Funktionsruhe kann aber den Schutz der Keimdrüsen nicht garantieren. Das erschwert die Situation bei sehr jungen Patienten: "Hier bleibt nur die Entnahme und Kryokonservierung unreifen Gewebes aus den Ovarien oder Hoden", meinten beide Experten. Bis zum Erwachsenwerden der betroffenen Kinder könnten neue, erfolgreiche Methoden gefunden werden, das Gewebe zu retransplantieren und funktionsfähig zu machen.

Von Wolff riet, jeden Krebspatienten mit Kinderwunsch rechtzeitig in ein reproduktionsmedizinisches Zentrum zu überweisen. 45 Zentren in ganz Deutschland seien seit knapp zwei Jahren zum Netzwerk "FertiProtekt" zusammengeschlossen, um Lösungen speziell für die onkologischen Patienten zu finden.

Weitere Infos zum Fertilitätserhalt bei Krebskranken gibt es unter: www.fertiprotekt.de

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