Direkt zum Inhaltsbereich

Künstliche Bandscheibe - Orthopäden bremsen Erwartungen

BOCHUM (nie). Künstliche Band-scheiben sollten in der Endoprothetik auch künftig nur sehr restriktiv eingesetzt werden. Das hat der Direktor der Orthopädischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum, Professor Jürgen Krämer, empfohlen.

Veröffentlicht:

Indikationen für Prothesen seien gealterte Bandscheiben sowie starke, therapieresistente Schmerzen. "Diese Indikation liegt aber nur bei einem Bruchteil der Patienten vor, die an der Bandscheibe operiert werden", sagte der Orthopäde zur "Ärzte Zeitung". In Fachkreisen werde der Einsatz von Bandscheibenprothesen sehr genau beobachtet, weil es mehrere Kontraindikationen gebe.

Es könnten Frakturen bei der Verankerung der teilweise aus Metallplatten bestehenden Bandscheibenprothese in den angrenzenden Wirbelkörpern auftreten. Dann werde eine frühe Revisionsoperation nötig.

    Eine Indikation für künstliche Bandscheiben sind etwa therapieresistente Schmerzen.
   

"Zudem muß im Laufe der Zeit mit einer Verlagerung des Implantates gerechnet werden, was ebenfalls eine erneute Operation erforderlich macht", betonte Krämer. Der Kollege hat internationale Studien über den Einsatz von Bandscheibenprothesen ausgewertet ("Zeitschrift für Orthopädie", 143, 2005, 281).

In den USA erlebt die Bandscheibenprothetik dagegen derzeit einen regelrechten Boom. Kommerzielle Anbieter preisen ihre Implantate als die medizinische Lösung zur Bekämpfung von Wirbelsäulenleiden an, die nicht mehr mit konservativen Therapien in den Griff zu bekommen sind. Damit stoßen sie besonders bei solchen Menschen auf offene Ohren, die seit Jahren unter starken Rückenschmerzen leiden.

Ein Vorteil der Prothesen: Meist schon einen Tag nach der Operation können sich die Patienten in der Regel wieder schmerzfrei bewegen. Bei Wirbelfusionen ist dies erst nach Wochen der Fall.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat im vergangenen Jahr zwei Prothesen-Modelle zugelassen. Dazu gehört auch die nach der Berliner Klinik benannte SB-Charité-Prothese, die dort erstmals 1984 eingesetzt wurde. Weitere Modelle sollen in den kommenden Monaten ihre Zulassung erhalten.

Krämer fordert, den Einsatz der Implantate in Langzeitstudien zu dokumentieren und die Kontraindikationen zu überprüfen. Er befürchtet, daß sich die Bandscheibenprothese zum Beispiel als nachteilig erweisen könnte, wenn der Träger altert.

Auch Osteoporose könnte bei Prothesenträgern zu erheblichen Komplikationen führen und eine erneute Operation mit Fusion notwendig werden lassen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Deutscher Rheumatologiekongress startet

Rheumatoide Arthritis: Eingreifen, bevor sie ausbricht!

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mögliche Glutenquelle

Wie riskant ist ein Zungenkuss bei Zöliakie?

Lesetipps
Eine Hand hält ein

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht