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HINTERGRUND

Langfristige Betreuung hilft Adipösen tatsächlich beim Abspecken

Von Swanett Koops Veröffentlicht:

Hinter dem Namen M.O.B.I.L.I.S steckt das Kernstück eines neuen Programms gegen zuviel Speck auf den Rippen: Viel Bewegung soll die Teilnehmer auf Trab bringen und das Gewicht durch einen aktiveren Lebensstil langfristig reduzieren.

Vor zwei Jahren begannen die ersten Teilnehmer in Freiburg das sportmedizinische Schulungsprogramm für stark übergewichtige Menschen, mit dem sie ihren überschüssigen Pfunden langfristig den Kampf ansagen wollten (wir berichteten).

Initiatoren waren die sportmedizinische Abteilung des Uniklinikums Freiburg und die Deutsche Sporthochschule Köln. Inzwischen wird das Programm aber von vielen anderen Organisationen unterstützt und wissenschaftlicher begleitet.

Die Teilnehmer werden ein Jahr lang intensiv betreut

Denn dieses Programm funktioniert nicht wie viele andere Abspeckprogramme, die ihren Sinn und Zweck oft nur in kurz angelegten, einseitigen Crash-Diäten zur schnellen Gewichtsabnahme sehen. "Das Besondere an M.O.B.I.L.I.S. ist vor allem die Betreuung der Teilnehmer über ein Jahr", berichtet Projektleiter Professor Aloys Berg vom Universitätsklinikum Freiburg im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Das Programm umfaßt eine siebenwöchige Startphase sowie eine Gewichtsreduktionsphase über 17 Wochen, an die sich eine Stabilisierungsphase über sechs Monate anschließt. Zu Beginn, nach sechs Monaten und am Ende des Programms erfolgt eine ärztliche Untersuchung mit Kontrolle der Blutwerte und mit Belastungs-EKG.

Die zweite Besonderheit ist der Schwerpunkt Bewegung, kombiniert mit psychologischer Unterstützung, "was es so bei anderen Programmen nicht gibt", wie Berg berichtet. In 35 praktischen Bewegungseinheiten sollen die Teilnehmer unter der Anleitung von Sportlehrern in der Gruppe individuelle Bewegungserfahrungen sammeln. Dazu treffen sie sich im Freien oder in der Halle zu Ausdauersport wie Nordic Walking und Übungen zur Kräftigung der Muskulatur.

In Gruppensitzungen wird nach individuellen Lösungen gesucht

Gleichzeitig werden die Patienten in 17 Gruppensitzungen psychologisch und pädagogisch betreut und beraten, wie sie die Bewegung und eine gesunde Ernährung in den Alltag einbauen können. "Denn motiviert sind die meisten Teilnehmer sowieso, wir suchen mit ihnen einen individuellen Weg, wie sie diese Motivation durchhalten", sagt Berg.

Daß das Programm Erfolg hat, be-legt eine erste Zwischenauswertung von 312 M.O.B.I.L.I.S.-Teilnehmern: 53 Prozent der Teilnehmer haben nach sechs Monaten mindestens fünf Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren, bei 26 Prozent betrug der Gewichtsverlust sogar mehr als zehn Prozent. Damit erfüllt M.O.B.I.L.I.S. die Erfolgskriterien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft für ambulante Schulungsprogramme.

Auch die absoluten Zahlen können sich sehen lassen. So betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust 7,4 kg, der BMI sank um 2,6 kg/m2 und der Bauchumfang schrumpfte um 7,7 cm. Und die Blutfettwerte und die Nüchternblutzuckerwerte sanken ebenfalls deutlich im Vergleich zum Ausgangswert. Gut war auch die Compliance: Von den 312 Teilnehmern waren nach sechs Monaten noch 278 Teilnehmer (89 Prozent) dabei.

Soviel Erfolg dürfte auch die Barmer Ersatzkasse freuen, die das Projekt von Anfang an unterstützt hat, so daß die Teilnehmer nur 100 Euro der Kosten von 658 Euro selbst zahlen müssen. "M.O.B.I.L.I.S. ist das einzige Schulungsprogramm, das aufgrund einer Rahmenvereinbarung bezahlt wird", berichtet Berg. Auch viele andere Kassen würden den Rahmenvertrag jetzt anerkennen.

Für die Zukunft haben die M.O.B.I.L.I.S.-Macher Großes vor: Langfristig wollen sie 15 000 Teilnehmer von Freiburg aus betreuen und durch eine Evaluierung erreichen, daß M.O.B.I.L.I.S als ein Standardangebot in den Leistungskatalog eingeht. Zur Zeit nehmen etwa 700 Patienten in über 70 Standorten teil, in vier Jahren sollen es 4000 sein. Im Lauf des Jahres wird es zudem die ersten Einjahresdaten geben.

Und seit diesem Jahr gibt es auch bei den Teilnahmebedingungen eine Neuerung: Zuvor konnten insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker nicht teilnehmen, weil es an geschulten Übungsleitern und Blutzuckermeßgeräten zur Vorbeugung einer Hypoglykämie während der Bewegung fehlte. Dieser Mangel ist jetzt durch die Zusammenarbeit mit Diabetologen und der Deutschen Diabetes Gesellschaft behoben, so daß das Programm nun auch Typ-2-Diabetikern offen steht.



STICHWORT

M.O.B.I.L.I.S.

Die Abkürzung M.O.B.I.L.I.S. steht für multizentrisch organisierte bewegungsorientierte Initiative zur Lebensstiländerung in Selbstverantwortung. Wer teilnehmen möchte, kann sich selbst übers Internet oder in der Geschäftsstelle anmelden, muß sich aber von seinem Arzt ein Formblatt ausfüllen lassen, in dem die Eignung für das Projekt - ein BMI zwischen 30 und 40 kg/m2 sowie ein weiterer Risikofaktor wie Fettstoffwechselstörung oder Bluthochdruck belegt wird.

Informationen im Internet: www.mobilis-project.de

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