Diabetes mellitus

Lebensmittel-Kennzeichnung schon heute besser als gedacht?

Die Ampel-Kennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln wurde vom EU-Parlament abgelehnt. Nun muss noch der Europäische Rat darüber befinden. Alles spricht für eine Kennzeichnung nach Guideline Daily Amount (GDA), aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Von Simone Reisdorf Veröffentlicht:
Diabetologen, Hausärzte und ihre Teams würden die jetzt vom EU-Parlament abgelehnte Ampel-Kennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln bevorzugen.

Diabetologen, Hausärzte und ihre Teams würden die jetzt vom EU-Parlament abgelehnte Ampel-Kennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln bevorzugen.

© dpa

BERLIN. Bei einem Symposium auf der DDG-/DAG-Tagung wurde kontrovers über die Lebensmittel-Kennzeichnung diskutiert. Die Mehrheit der anwesenden Diabetologen, Hausärzte und ihrer Teams würde dabei die jetzt abgelehnte Ampelmethode bevorzugen.

Dr. Andrea Moritz vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde in Bonn kritisierte dagegen die Ampelversion: "Ampelfarben auf Verpackungen von Lebensmitteln zeigen weder an, ob diese ‚gesund oder ungesund‘ sind, noch wie viel ‚Schädliches‘ sie enthalten."

Denn weder Zucker noch Fett seien per se ungesund: "Etwa 40 Nährstoffe sind wichtig für den Menschen; eine Einzelbetrachtung ist auch nach wissenschaftlichen Kriterien unsinnig." Die Ampelfarbe Rot gebe bei unkritischer Betrachtung falsche Stoppsignale.

Die Alternative ist die GDA-Kenn-zeichnung. Diese gibt an, wie viel Prozent des Tagesbedarfs eines Nährstoffs in einer Portion eines Lebensmittels enthalten ist. Dabei gibt es den häufigen Einwand, dass die angegebenen Portionsgrößen auf den Packungen häufig unrealistisch klein sind.

Dazu sagte Moritz: "Die Lebensmittelindustrie hat diese Hinweise sehr ernst genommen; dies wird auf europäischer Ebene diskutiert." Zudem stünden neben den GDA-Angaben immer auch tabellarische Nährwertangaben in g pro 100 g oder g pro 100 ml: "So werden Lebensmittel vergleichbar."

Kornelia Hagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin wies darauf hin, dass diese Verbraucherpolitik auf dem Leitbild des mündigen, durchschnittlich informierten Bürgers fuße. Von Adipositas seien aber viele ältere oder bildungsferne Bürger betroffen.

Von ihnen kämen viele mit dem GDA-Modell nur schlecht zurecht. In einer Umfrage in Deutschland hielten 75 Prozent das Ampelmodell für "hilfreicher und verständlicher".

Eine Nährwertkennzeichnung nach GDA findet sich schon auf etwa 80 Prozent unserer verpackten Lebensmittel, und sie wird bald europaweit verpflichtend - ob mit oder ohne Ampelfarben.

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