Fall gibt Rätsel auf

Legionärskrankheit könnte übertragbar sein

Kann eine Legionellen-Infektion von Mensch zu Mensch übertragen werden? Portugiesische Forscher beschreiben nun einen Fall, in dem ein erkrankter Mann seine Mutter angesteckt hat.

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PORTO. Den Fall einer möglichen, den Umständen nach sogar sehr wahrscheinlichen Ansteckung mit der Legionärskrankheit von Mensch zu Mensch haben portugiesische Forscher geschildert.

Das Geschehen spielt im Umfeld des Legionelloseausbruchs in Vila Franca de Xira, Portugal, im Herbst 2014.

Damals hatten sich nachweislich 334 Menschen mit Legionellen infiziert, zehn Todesfälle wurden danach bestätigt. Als vermutliche Quelle des Ausbruchs wurde ein industriell genutzter Komplex von Kühltürmen identifiziert.

Sohn und Mutter sterben

Damals hatte sich auch ein 48-jähriger Wartungsarbeiter, der bei den Kühltürmen beschäftigt war, mit Legionella pneumophila infiziert (N Engl J Med 2016; 374: 487-498).

Mitte Oktober 2014 - fünf Tage, nachdem die ersten Beschwerden aufgetreten waren - fuhr der Mann zu seiner 74-jährigen Mutter ins 300 km von Vila Franca de Xira entfernte Porto.

Er entwickelte heftige respiratorische Symptome mit starkem Husten. Während der Nacht kümmerte sich seine Mutter um ihn, bis er schließlich ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Drei Tage später verlegte man ihn in eine andere Klinik, da eine extrakorporale Membranoxygenierung nötig wurde.

Weitere fünf Tage später - acht Tage nach Ankunft ihres kranken Sohnes - bekam die Mutter Fieber. Sie hustete und verlor den Appetit.

Im septischen Schock, ausgelöst durch eine Pneumonie, kam sie ins gleiche Krankenhaus, in dem bereits ihr Sohn lag. Die Frau starb am 1. Dezember 2014, der Sohn gut einen Monat später am 7. Januar 2015.

Legionellen nachgewiesen im Urin

In Labortests von Urinproben und Kulturen aus Atemwegssekret wurde bei beiden Patienten Legionella pneumophila als auslösender Keim überführt.

Untersuchungen des Keimgenoms am Nationalen Gesundheitsinstitut in Lissabon ergaben, dass es sich in beiden Fällen um den Bakterienstamm handelte, der für den Legionelloseausbruch in Vila Franca de Xira verantwortlich war.

Im Haus der Mutter waren keine Legionellen nachweisbar. Die Mutter hatte Porto während des Ausbruchs der Legionärskrankheit in Vila Franca de Xira nicht verlassen.

Sie war auch die einzige Person außerhalb der Ausbruchsregion, die sich mit dem relevanten Legionellenstamm infizierte.

Als Indizien dafür, dass der Sohn seine Mutter mit der Legionärskrankheit angesteckt hat, werten Ana Correia von der für Porto zuständigen Gesundheitsbehörde und ihre Kollegen zum einen die Heftigkeit der Atemwegssymptome des Sohnes und den engen Kontakt, den er während dieser Zeit zu seiner Mutter hatte.

Zum anderen spricht auch der zeitliche Verlauf für eine Übertragung von Mensch zu Mensch: Die Mutter erkrankte ungefähr eine Woche nach dem Kontakt zum Sohn, was der typischen Inkubationszeit für Legionellosen von median sechs bis sieben Tagen entspricht. (rb)

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