Ebola

Liberia verhängt Ausgangssperre

In Westafrika wütet Ebola weiter: Weil die Zahl der Toten wächst und Leichen einfach auf die Straße gelegt werden, gilt in Liberia jetzt eine Ausgangssperre. Und ein deutscher Gesundheitssenator sieht die Bundesrepublik gewappnet für den Fall einreisende Ebola-Patienten.

Veröffentlicht:
Schlagzeile Ebola: Das "Daily Talk Chalk Board" am Dienstag in Liberias Hauptstadt Monrovia.

Schlagzeile Ebola: Das "Daily Talk Chalk Board" am Dienstag in Liberias Hauptstadt Monrovia.

© Ahmed Jallanzo / epa / dpa

NEU-ISENBURG. Liberia hat angesichts des andauernden Ebola-Ausbruchs eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Staatspräsidentin Ellen Johnson-Sirleaf reagierte damit am Mittwoch auf Berichte, wonach Leichen nachts einfach auf den Straßen abgeladen würden.

Die Behörden vor Ort kämen nicht mehr mit dem Abtransport hinterher. Leichen von Ebola-Patienten gelten beim direkten Kontakt als hochkontagiös. Bestattungsrituale gelten als mitursächlich für Ausbreitung des jetzigen Ebola-Ausbruchs. Die Ausgangssperre in Liberia soll ab sofort von neun Uhr abends bis sechs Uhr morgens gelten.

In Liberias Hauptstadt Monrovia hat die Staatspräsidentin das Armenviertel "West Point" unter Quarantäne gestellt. Dort leben rund 75.000 Menschen. Am Wochenende waren dort Patienten mit einer Ebola-Virusinfektion aus einer Isolierstation geflohen. Sie wurden zwischenzeitlich alle wieder gefunden.

In Nigeria könnte außerdem eine Ärztin dem Ebola-Ausbruch zum Opfer gefallen sein. Die Frau soll Medienberichten den Indexpatienten behandelt haben, der Ende Juli am Flughafen in Lagos zusammengebrochen und kurz darauf gestorben war. Der Regierungsberater war aus Liberia gekommen. Damit würde die Zahl der Todesopfer in Nigeria auf fünf steigen. Nach letzten offiziellen Angaben gibt es insgesamt 15 Verdachtsfälle in dem Land.

Derweil hat der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) die Reaktion der Behörden auf einen Ebola-Verdachtsfall am Dienstag in Berlin gelobt. Der Verdacht konnte mittlerweile entkräftet werden. Die 30-jährige Frau, die sich zuvor in Nigeria aufgehalten hatte, ist an einer Malaria erkrankt. Sie wird weiter im Virchow-Klinikum der Charité behandelt.

Sie war am Dienstag in einem Jobcenter zusammengebrochen. Wegen fiebriger Symptome und der Reiseanamnese war eine große seuchenmedizinische Rettungskette in Gang gesetzt worden. Zahlreiche Besucher des Jobcenters durften den Ort zeitweise nicht verlassen. Sechs Kontaktpersonen wurden vorübergehend ebenfalls stationär aufgenommen.

Czaja sagte am Dienstagabend, die Alarmkette habe funktioniert. "Wir sind für den Ernstfall gerüstet." Bundesweit sehen sich die Gesundheitsämter, Kliniken und Rettungsdienste für einen Umgang mit Verdachtspatienten, die an einem hämorrhagischen Fieber leiden könnten, gerüstet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Anfang August den Ausbruch der Ebola-Viruskrankheit (EVD) in Westafrika zur weltweiten gesundheitlichen Notlage (PHEIC) erklärt. Damit wurden die internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) teilweise aktiviert, die von allen Ländern unter anderem eine erhöhte Wachsamkeit für möglicherweise importierte Ebola-Erkrankungsfälle verlangen.

Deutschlandweit gibt es neun Behandlungszentren, die speziell ausgerüstet sind und geschultes Personal vorhalten für die Behandlung von Patienten mit hochkontagiösen Erkrankungen. An den fünf großen Flughäfen der Republik (mit Ausnahme derzeit von Berlin-Tegel) können Notfallpläne aktiviert werden, sollten Verdachtspatienten einreisen.

Die Bundesregierung prüft unterdessen weitere Hilfen für die von Ebola schlimm betroffenen westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone. Derzeit erarbeite die WHO eine Übersicht über die vor Ort benötigten Ressourcen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwoch. "Auf dieser Basis wird die Bundesregierung weitere Hilfen prüfen."

Bisher hat Deutschland die Staaten mit 2,4 Millionen Euro unterstützt. Auch Epidemieexperten, Virologen und Ärzte helfen vor Ort. Die WHO, die Weltbank und die afrikanische Entwicklungsbank hatten zuletzt ihre finanziellen Hilfen um mehrere Hundert Millionen US-Dollar aufgestockt. Die US-Seuchenkontrollbehörde CDC hat etliche Dutzend Experten nach Westafrika entsandt. (nös)

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Claudia Vollbracht

© [M] Privat; Christoph Burgstedt / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Appell zur adjuvanten Vitamin-C-Therapie bei Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Applaus im Bundestag: Der umstrittene Paragraf 219a ist Geschichte. Es ist höchste Zeit, das Misstrauen in Frauen und das Misstrauen in Ärztinnen und Ärzte, das in Paragraf 219a zum Ausdruck kommt, zu beenden, betonte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). 

© Fotostand / Reuhl / picture alliance

Update

Paragraf 219a gestrichen

Bundestag kippt das Werbeverbot für Abruptio

Plenardiskussion beim Hauptstadtkongress 2022: „Frauen machen Gesundheit, Männer führen: Wo bleibt Female Empowerment?“ Es diskutierten (von links:) Dr. Christiane Stehle, Tanja Heiß, Emily Troche, Moderatorin Katharina Lutermann, Dr. Susan Niemeyer, Frederike Gramm, Oberin Doreen Fuhr.)

© Rolf Schulten

Wenige weibliche Führungskräfte

Wie kommt das Gesundheitswesen zu mehr Chefinnen?