ARNI-Therapie

Manche Chance bleibt noch ungenutzt

Der Einsatz von Sacubitril / Valsartan hat sich in der Praxis bewährt. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) wird jedoch häufig nicht die Zieldosis eingesetzt, belegen Anwendungsdaten.

Von Joana Schmidt Veröffentlicht:

ATHEN. Wie behandelt man Patienten mit Herzinsuffizienz bestmöglich? Darum ging es bei einer vom Unternehmen Novartis unterstützten Veranstaltung aus Anlass des diesjährigen Heart Failure Kongresses der ESC (European Society of Cardiology). In den USA und Europa gibt es jährlich mehr als eine Million Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz, rund die Hälfte der Patienten hat eine reduzierte Ejektionsfraktion (HFrEF).

Etwa ein Viertel dieser Patienten muss 30 Tage nach der Entlassung erneut in die Klinik, was mit einer schlechten Prognose einhergeht. „Effektive Strategien, um Rehospitalisierungen zu vermeiden, gibt es, aber sie, werden noch zu wenig umgesetzt, da oft finanzielle Anreize fehlen. Dabei verursachen gerade Rehospitalisierungen bei Herzinsuffizienz die meisten Kosten“, so Dr. Javed Butler, Kardiologe in New York.

Butler präsentierte eine Studie, die nahelegt, dass die Therapie mit dem Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) Sacubitril / Valsartan (Entresto®) sich positiver auf die Rehospitalisierungsrate bei Herzinsuffizienzpatienten auswirken könnte als die Therapie mit dem ACE-Hemmer Enalapril.

Der ARNI wird seit drei Jahren erfolgreich zur Behandlung bei HFrEF eingesetzt: Anwendungsdaten von mehr als 12.000 Patienten, die Sacubitril / Valsartan erhalten hatten, weisen darauf hin, dass das Potenzial des Wirkstoffs noch nicht vollständig genutzt wird.

64 Prozent der Betroffenen erhielten die niedrige Dosierung (24 mg / 26 mg), die eigentlich für Patienten mit Begleiterkrankungen gedacht ist. Nur ein Drittel der Patienten bekam die empfohlene Anfangsdosis von 49 mg / 51 mg. Auch die Auftitrierung erfolgte im Praxisalltag oft später als empfohlen.

Die Patienten der Anwendungsstudien waren im Schnitt älter und häufiger in einem höheren NYHA-Stadium als in den klinischen Studien. Studiendaten legen aber nahe, dass gerade jüngere HFrEF-Patienten in NYHA-Klasse II deutlich von Sacubitril / Valsartan profitieren können. Rechtzeitig mit der Therapie zu beginnen kann den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Prognose verbessern.

Die Sicherheitsstudie TITRATION hat ergeben, dass die Mehrheit der Patienten die Zieldosis innerhalb von drei bis sechs Wochen erreichen konnte. Patienten mit HFrEF profitieren von jeder Dosis, doch nur die Zieldosis von 97 mg / 103mg kann auch maximale Effekte erzielen.

Die PARADIGM-HF-Studie hatte ergeben, dass unter Sacubitril / Valsartan im Vergleich mit Enalapril das Risiko für kardiovaskuläre Mortalität oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz um je 20 Prozent und das Risiko für die Gesamtmortalität um 16 Prozent geringer war.

Auch die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich. „HFrEFPatienten im Krankenhaus mit Sacubitril / Valsartan zu behandeln hat sich als sicher und effektiv erwiesen. Strategien, um die Behandlung während des stationären Aufenthalts zu verbessern, sollten dringend umgesetzt werden“, so Butler.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Weniger kardiovaskuläre Todesfälle

Mitral-Clip nutzt wohl vor allem Senioren

Entgegen geltender Empfehlung

Acetylsalicylsäure ist bei mechanischer Herzklappe noch immer die Regel

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umstellung auf Living Guideline

S3-Leitlinie zu Pankreaskrebs aktualisiert

Lesetipps
Gefangen in der Gedankenspirale: Personen mit Depressionen und übertriebenen Ängsten profitieren von Entropie-steigernden Wirkstoffen wie Psychedelika.

© Jacqueline Weber / stock.adobe.com

Jahrestagung Amerikanische Neurologen

Eine Frage der Entropie: Wie Psychedelika bei Depressionen wirken

Gesundheitsminister Lauterbach hat angekündigt, den Entwurf für die Klinikreform am 8. Mai im Kabinett beraten lassen zu wollen. 

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Großes Reformpuzzle

So will Lauterbach den Krankenhaus-Sektor umbauen