Massive Versorgungslücken nach Herzinfarkt und Schlaganfall

Eine beim ESC-Kongress in Paris vorgestellte Studie zeigt: KHK- und Schlaganfall-Patienten erhalten weltweit in erschreckend geringem Ausmaß lebensverlängernde Arzneien zur Sekundärprävention.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Schmerz und Engegefühl in der Brust: Bei Myokardinfarkt ist eine effektive Sekundärprävention angesagt.

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© Monkey Business / photos.com

PARIS. Aktuelle Studiendaten zur Sekundärprävention bei KHK- und Schlaganfall-Patienten wurden bei der Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) in Paris vorgestellt.

Die Arbeitsgruppe um Professor Salim Yusuf von der McMaster University in Hamilton in Kanada hatte 154.000 Personen aus Ländern mit hohem, mittlerem und niedrigem Einkommensstatus in die Studie aufgenommen und unter diesen knapp 8000 Patienten identifiziert, die einen Schlaganfall oder eine KHK hatten.

Untersucht wurde, zu welchem Prozentsatz die Patienten wirksame Medikamente zur Sekundärprävention einnahmen: Plättchenhemmer, Statine, Betablocker, ACE-Hemmer, andere Blutdrucksenker (Lancet 2011; online 28. August).

Thrombozytenhemmer wie ein einfaches ASS erhielten im Schnitt nur 25 Prozent der Patienten in Sekundärprävention, wobei die Versorgung mit dem Einkommen korrelierte: In Industrieländern wie Kanada und Schweden nahmen 62 Prozent ASS, in Ländern mit mittlerem Einkommen wie Brasilien, Polen oder China waren es 20 bis 25 Prozent, in armen Ländern wie Pakistan oder Simbabwe nur 9 Prozent.

Die Werte für Statine waren ähnlich: 66 Prozent in reichen Ländern, 4 bis 17 Prozent in Ländern mit mittleren Einkommen und 3 Prozent in armen Ländern.

Bei den ACE-Hemmern war es das gleiche Bild: Die Versorgung sank je nach Einkommen von 50 Prozent über 10 bis 30 Prozent auf 5 Prozent. Wer auf dem Lande lebte, hatte geringere Chancen als Stadtbewohner, mit diesen Medikamenten versorgt zu werden.

Etwa 10 Prozent der Patienten in den reicheren Ländern und 50 Prozent in den Schwellenländern erhielten gar keine Arzneien. In den armen Ländern stieg dieser Prozentsatz auf über 80 Prozent.

"Das ist eine globale Tragödie", kommentierte Studienleiter Yusuf die aktuellen Studiendaten. Diese Medikamente sind erwiesenermaßen wirksam, sicher und billig, und dennoch werden sie so gut wie gar nicht eingesetzt.

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