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Kommentar

Mehr Toleranz für psychisch Kranke

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Würde sich jemand von seinem Ehepartner trennen, weil dieser Diabetes hat? Oder den Kontakt zu seinem besten Freund abbrechen, wenn der plötzlich einen Herzinfarkt bekommt? Wohl kaum. Mit organischen Krankheiten können wir gut umgehen. Doch sobald sich das Verhalten von Menschen in einer Weise ändert, die unsere gewohnten Umgangsformen sprengt, die uns rätseln lässt oder auch vor den Kopf stößt, dann reagieren wir reflexartig mit Abwehr und Ablehnung. Das ist verständlich: Verhalten ist eben auch Interaktion. Wir fühlen uns persönlich angegriffen und brüskiert, wenn jemand komische Dinge tut und wir seinen Gedanken nicht folgen können. Verständnis aufzubringen, fällt dann schwer.

Möglicherweise hilft es, wenn wir mehr über psychische Störungen lernen, wenn wir verstehen, dass Schizophrenie und Depression ebenso wie Diabetes Stoffwechselstörungen sind - solche von Transmittern im Gehirn. Doch mehr noch als Wissen fehlt uns Toleranz. Ein gutes Beispiel ist Indien: Dort ist das Wissen über psychische Krankheiten sicher gering, trotzdem fühlen sich Schizophreniekranke weniger stigmatisiert als in Deutschland. Vielleicht gehen Menschen dort einfach lockerer mit ungewohntem Verhalten um. Genau das täte auch uns gut.

Lesen Sie dazu auch: Stigmatisierung bleibt Alltag für Schizophrenie-Kranke

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