Kontrollierte Studie

„Menschliche“ Avatare helfen bei Stresstest

Bei der Stress-Bewältigung wirkt die virtuelle Unterstützung durch „menschliche“ Avatare so gut wie persönlicher Support.

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WIEN. Werden Menschen im Vorfeld einer akuten Stresssituation virtuell durch einen „menschlichen“ Avatar, hinter dem eine echte Person steckt (oder zumindest glaubhaft für die Probanden steckt), sozial unterstützt, dann wirkt das genauso gut wie der Support durch eine echte Person.

Das habe eine Studie der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) unter der Leitung von Dr. Anna Felnhofer und Dr. Oswald Kothgassner (J Behav Ther Exp Psychiatry 2019; 63: 57-65) ergeben, teilt die Uni mit.

In einem standardisierten Experiment wurde die Auswirkung von sozialer Unterstützung auf eine darauf folgende akute Stressbelastung untersucht.

Dabei erhielten die insgesamt 56 Studienteilnehmer, bevor diese anspruchsvolle Aufgaben unter Zeitdruck vor einer mehrköpfigen Jury lösen mussten, Zuspruch von einer echten Person oder, vermittelt über eine Virtual-Reality-Brille, von einem virtuellen Charakter.

Veränderungen im prosozialen Verhalten untersucht

Einer Gruppe von Teilnehmern wurde dabei suggeriert, dass dieser Avatar von einer echten Person gesteuert wird, während die andere Gruppe glaubte, dass er von einem Computer automatisch gelenkt wird, heißt es in der Mitteilung. Die Kontrollgruppe erhielt keine Unterstützung vor dem Stresstest.

Nach dem Test wurden in einem sozialen Verhaltensexperiment mögliche Veränderungen im prosozialen Verhalten untersucht – etwa durch systematische Beobachtung von Hilfsbereitschaft und sozialer Annäherung.

Die psychische Belastung während des Stresstests bestimmten die Forscher über den Anstieg der Herzrate. Das zentrale Ergebnis: Der Anstieg der Herzrate fiel bei vorhergehender Unterstützung durch eine echte Person oder eine virtuelle Person, von der die Probanden annahmen, dass diese von einer echten Person gesteuert wurde (sogenannte Avatare) jedoch signifikant weniger stark aus, als bei jenen Gruppen, die entweder durch einen Computer-Charakter oder gar nicht unterstützt wurden.

Und bei jenen Gruppen, bei denen Menschen direkt oder digital vermittelt Unterstützung gaben, löste die Bewertung durch die Jury im Stresstest weitaus weniger Scham und Grübeln aus. Ebenso konnte gezeigt werden, dass diese Personen auch weitaus rascher zu Hilfestellung bereit waren und eine erhöhte soziale Annäherung zeigten.

„Unsere Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für den Einsatz von Virtuellen Realitäten in der medizinischen Forschung sowie auch im Kontext von therapeutischen Applikationen“, wird Felnhofer in der Mitteilung zitiert.

Die Erkenntnisse könnten schon in der Prävention von psychischen Erkrankungen wie etwa Depression eingesetzt werden, aber auch in der Behandlung derartiger Störungen mittels Telemedizin oder anderen virtuellen Therapieprogrammen. (eb)

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