Methylphenidat hilft Erwachsenen mit ADHS langfristig

BERLIN (gvg). Erwachsene mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) profitieren von einer Behandlung mit retardiertem Methylphenidat. In einer Studie über sechs Monate verringerte sich die Symptomatik unter der Therapie mit der Substanz signifikant stärker als mit Placebo.

Veröffentlicht:

Das sind Ergebnisse der EMMA-Studie*, die auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin vorgestellt worden sind. In der vom Unternehmen Medice unterstützten Studie erhielten 359 Erwachsene mit ADHS 24 Wochen lang zweimal täglich 10 mg bis 30 mg Methylphenidat retard (Medikinet® retard) oder Placebo. Beiden Gruppen wurden regelmäßige Beratungen zu der Erkrankung angeboten.

Hintergrund der Studie ist, daß es in Deutschland (anders als in den USA) bisher kein uneingeschränkt für die Therapie von Erwachsenen zugelassenes ADHS-Präparat gibt. "Die Wirksamkeit von Methylphenidat bei Erwachsenen konnte in mehreren Studien belegt werden. Doch die europäische Zulassungsbehörde fordert zusätzlich Langzeitdaten", so Studienleiter Professor Michael Rösler von der Universität des Saarlands.

Diese Langzeitdaten liegen jetzt vor: "Die Behandlung mit retardiertem Methylphenidat war der Therapie mit Placebo auch über 24 Wochen auf allen Bewertungsebenen signifikant überlegen", so Rösler. So wurde die Symptomatik mit dem Wender-Reimherr-Interview (WRI) ausgewertet. Beim WRI bewerten Experten die sieben Kardinalsymptome von ADHS bei Erwachsenen, darunter die Unaufmerksamkeit und den Grad an Desorganisiertheit. In der Placebo-Gruppe verringerten sich dabei die Skalenwerte von etwa 46 auf etwa 32 Punkte, in der Verumgruppe dagegen auf etwa 26 Punkte.

Auch im Patientenurteil schnitt die Therapie mit Methylphenidat signifikant besser ab als die Behandlung mit Placebo. Knapp 60 Prozent der Betroffenen beurteilten die Therapie als gut oder sehr gut. In der Placebogruppe waren es 35 Prozent.

*Das Akronym steht für Doppelblindstudie bei Erwachsenen mit Methylphenidat retard zur Prüfung der Effektivität und Verträglichkeit bei ADHS.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vorschau aufs Wochenende

Herzkongress ESC 2025: Diese neuen Studien stehen im Blickpunkt

Lesetipps
Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte

© Daniel Karmann/dpa

Stichtage rücken näher

Warum es sich für Praxen lohnt, vor dem 1. Oktober in die ePA einzusteigen

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung sind zwar hoch akzeptiert, aber komplett verzichten kann man auf die HbA1c-Messung (noch) nicht.

© stivog / stock.adobe.com

Evolution der Therapiesteuerung

Diabetesmanagement: Das Ende des HbA1c-Werts?

Rezeptunterschrift? Immer eigenhändig. Immer!

© detailblick-foto / stock.adobe.com

Bundessozialgericht

Rezeptunterschrift gestempelt: Internist drohen 1,24 Millionen Euro Regress