Forscher in Sorge

Milzbrandfälle bei Schimpansen auch eine Gefahr für Menschen?

Eine Variante des Milzbrand-Erregers ist deutschen Forschern zufolge eine größere Gefahr für Wildtiere in den Tropen als bislang angenommen. Eine weitere Sorge: die Ansteckung von Menschen.

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Milzbrand-Infektionen bedrohen die Schimpansen-Population im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste.

Milzbrand-Infektionen bedrohen die Schimpansen-Population im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste.

© Ronnie Howard / Fotolia

BERLIN/LEIPZIG. Mit der Abholzung von Regenwäldern und der Wilderei dringt der Mensch in immer neue Gebiete vor. Damit wird auch der Kontakt mit neuen Krankheitserregern wahrscheinlicher. Deutsche Gesundheitsexperten behalten dabei auch einen speziellen Milzbrand-Erreger im Blick.

Hintergrund der Studie, die aktuell im Fachjournal "Nature" (DOI: 10.1038/nature23309) publiziert wurde, sind als möglich erachtete, bislang aber nicht beobachtete Infektionen beim Menschen.

Infos zum Thema Milzbrand bei Menschen

» Ausführliche Informationen zur Behandlung von Milzbrand können in einer Übersichtsarbeit der WHO, "Anthrax in humans and animals", nachgelesen werden.

» Zur Therapie des Injektionsmilzbrandes existiert eine Therapieempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM)

» Unterschiedliche Behandlungsstrategien von Milzbrandinfektionen im Falle eines bioterroristischen Anschlags werden in einem Papier der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) aufgeführt.

Im Tierreich werden Milzbrand-Ausbrüche – vorrangig durch Bacillus anthracis – immer wieder in trockenen Regionen wie afrikanischen Savannen beobachtet. Es trifft fast ausschließlich Huftiere.

Todesfälle auch bei Schimpansen durch eine in genetischer Hinsicht atypische Variante – Bacillus cereus biovar anthracis, kurz BCBVA – wurden erstmals Anfang der 2000er Jahre beobachtet. Inzwischen ist der Erreger in mehreren afrikanischen Ländern nachgewiesen. Die Infektionsquelle ist unklar.

Hohe Todesrate durch neuen Erreger

Für die Studie zur Frage der BCBVA-Verbreitung analysierte ein internationales Team Knochen- und Gewebeproben von Tieren, die seit Mitte der 90er Jahre im Taï-Park verendet und tiefgefroren aufbewahrt worden waren. Beteiligt waren Experten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie.

Fast 40 Prozent der Tiere – verschiedene Affenarten, Waldantilopen und ein Stachelschwein – seien BCBVA zum Opfer gefallen, so das Fazit der Autoren. Bei Schimpansen starben sogar: 31 von 55 untersuchten Tieren. "Normalerweise ist der Einfluss eines einzelnen Erregers selten so hoch", erklärte Studienleiter Fabian Leendertz vom RKI. Langfristig könnten die derzeit grassierende Infektionen zum Rückgang und gar zum Aussterben der Schimpansen-Population im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste beitragen.

Bedenklich stimmt die Autoren zudem, dass Infektionen bei Menschenaffen auch Indikatoren für Krankheiten sind, die auch dem Menschen gefährlich werden könnten. Leendertz hält den Kontakt von Menschen mit BCBVA im Umfeld des Nationalparks für "sehr wahrscheinlich", da sie Wildtiere jagten und auch Fleisch von frisch tot aufgefundenen Tieren verzehrten. Krankheiten und Todesfälle würden dort nicht untersucht.

Infektionen bei Menschen

Warum der Erreger in dem Park an der Elfenbeinküste so aktiv ist, wie sich die Tiere infizieren und welchen Einfluss BCBVA auf die Menschen hat, wollen die Forscher nun weiter untersuchen.

Bei Menschen in Industrienationen werden Fälle von Milzbrand – hervorgerufen vom klassischen Erreger – nach RKI-Angaben sehr selten beobachtet. Ein gewisses Infektionsrisiko tragen Personen, die Tierhäute und Felle, tierische Knochen und Knochenprodukte sowie anderes Tiermaterial verarbeiten, des Weiteren Beschäftigte in der Tiermedizin, in der Land-, Forst- und Jagdwirtschaft, sofern sie mit infizierten Tieren in Berührung kommen. In diesem Zusammenhang traten auch in Europa immer wieder vereinzelt Fälle von Milzbrand bei Menschen auf. Den letzten Fall von Hautmilzbrand gab es nach RKI-Daten 1994 in Deutschland.

Eine besondere Bedeutung hat B. anthracis auch im Zusammenhang mit Bioterrorismus und Biokriminalität als ein potenzielles Agens. Der Erreger wurde in Biowaffenprogrammen verschiedener Länder beforscht, so das RKI. Die Infektion kann tödlich verlaufen – frühzeitig erkannt, helfen jedoch Antibiotika. (dpa/run)

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