Mit Duloxetin haben Depressive weniger Rezidive

NEW YORK (agr). Werden Patienten nach einer depressiven Phase mit 60 mg Duloxetin pro Tag weiterbehandelt, kann hierdurch das Rückfallrisiko gesenkt werden. 80 Prozent der so behandelten Patienten bleiben auch nach 26 Wochen Fortsetzungstherapie ohne Rückfälle.

Veröffentlicht:

Dies hat eine Studie ergeben, die auf dem Jahrestreffen der US-Psychiater in New York vorgestellt worden ist. An der Studie hatten 533 Patienten mit akuter Depression teilgenommen.

Die Patienten wurden zunächst zwölf Wochen lang entweder mit dem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin oder mit Placebo behandelt. Insgesamt wurde bei 280 Patienten (53 Prozent) eine Remission erzielt. Die Patienten mit Remission wurden erneut in einen Placebo-Arm und in einen Duloxetin-Arm aufgeteilt und sechs Monate lang therapiert.

Das Ergebnis: Mit Duloxetin blieben etwa 78 Prozent, mit Placebo dagegen nur 57 Prozent in Remission, hat Professor Jerrold Rosenbaum aus Boston berichtet. Von den Patienten, die in den sechs Monaten einen Rückfall erlitten, konnten mehr als zwei Drittel durch Erhöhung der Tagesdosis auf 120 mg Duloxetin erneut in Remission gebracht werden, wie Rosenbaum auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Unternehmen Lilly und Boehringer Ingelheim berichtet hat.

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer lindere sowohl affektive als auch körperliche Symptome einer Depression. Vor allem Schmerzen im Bereich des Muskel- und Skelettsystems sowie Kopfschmerzen würden mit einer solchen Behandlung effektiv reduziert. Dies sei ebenso wichtig für das Erreichen und den Erhalt der Remission, sagte der US-amerikanische Psychiater.

Daß das Medikament sowohl affektive als auch körperliche Beschwerden lindere, sei mit dem dualen Wirkmechanismus zu erklären: Die Arznei hemme bereits in niedriger Dosierung selektiv die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin, die außer der Stimmung auch das Schmerzempfinden beeinflussen.

Andere Neurotransmitter beeinflusse Duloxetin dagegen kaum. Daher liege die Rate der unerwünschten Wirkungen hiermit in etwa auf Placebo-Niveau, so Rosenbaum. Die Zulassung von Duloxetin in Europa ist beantragt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Fragen helfen für Differenzierung

Wie sich eine krebsbedingte Fatigue von einer Depression abgrenzt

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Muskuloskelettale Erkrankungen

Was bringt Kinesiotaping?

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Lesetipps
Ein Kardiologe verwendet einen Schlauch für die Radiofrequenzkatheterablation eines Patienten mit Vorhofflimmern.

© romaset / stock.adobe.com

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Eine Blutprobe zur Bestimmung von vier kardiovakulären Schlüsselmarkern.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Diabetischer Fuß mit Ulkus

© Brauer / stock.adobe.com

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß