Migräne ohne Aura

Mit Elektroakupunktur gegen den Schmerz

3,2 Attacken pro Monat weniger: Das ist die Bilanz einer aktuellen Migräne-Studie aus China. Mit Elektroakupunktur haben es die Forscher darin geschafft, die Migräne in Schach zu halten.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Mit Elektroakupunktur werden Migräneattacken seltener und kürzer. © fred goldstein / fotolia.com

Mit Elektroakupunktur werden Migräneattacken seltener und kürzer. © fred goldstein / fotolia.com

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CHENGDU. Bisher war unklar, ob in der Migräneprophylaxe eine Akupunktur an den klassischen Punkten einer Kontrollmethode, bei der Nichtakupunkturpunkte verwendet werden, überlegen ist.

Um das zu prüfen, haben TCM-Experten um Dr. Ling Zhao von der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Chengdu in China eine dreiarmige kontrollierte Studie gemacht, in der als weitere Kontrollgruppe Patienten ohne jegliche Intervention teilnahmen, denen jedoch eine kostenlose Akupunktur für die Zeit nach der Studie zugesagt worden war (JAMA Int Med 2017; online 20. Februar).

242 Patienten untersucht

An der chinesischen Studie nahmen insgesamt 242 Patienten mit Migräne ohne Aura im Alter zwischen 18 und 65 Jahren teil. Die Zahl der Migräneattacken lag zwischen 2 und 8 pro Monat (Durchschnitt: 4,9). Die Akupunktur mithilfe von Nadeln in zwei Gruppen erfolgte innerhalb von vier Wochen an jeweils fünf Tagen pro Woche. Primärer Endpunkt der Studie war die Veränderung der Häufigkeit der Migräneattacken bis zur Woche 16. Als sekundäre Endpunkte wurden die Zahl der Tage mit Migräne, die durchschnittliche Schmerzintensität und die medikamentöse Analgesie gewählt. Dokumentiert wurde alle vier Wochen über einen Zeitraum von insgesamt 24 Wochen.

Für die Elektroakupunktur, die von Ärzten mit mindestens vierjähriger klinischer Erfahrung mit dieser Methode beidseitig abwechselnd angewandt wurde, verwendeten die Mediziner das HANS®-System des Han-Instituts in Nanjing. Die Stimulationsfrequenz betrug 2/100 Hz mit einem Wechsel alle drei Sekunden. Die Intensität variierte zwischen 0,1 und 1,0 mA, je nach Präferenz des Patienten.

Pro Sitzung wurden vier Akupunkturpunkte verwendet, an denen die Nadeln mit einer Länge von 25 bis 40 mm und einem Durchmesser von 0,25 mm gesetzt wurden. Dazu gehörten auf jeden Fall die zwei Punkte GB20 (im Nacken auf der Haargrenze in Höhe des Ohrläppchens) und GB8 (oberhalb des äußeren Ohres).

Zur Auswahl standen zudem die Punkte SJ5, GB34, BL60, SI3, LI4, ST44, LR3 und GB40. Andere Akupunkturpunkte waren in der Verumgruppe nicht zulässig. In der Kontrollgruppe wurden Punkte gewählt, die nicht als klassische Akupunkturpunkte gelten. Anhand des "De Qi"-Gefühls, das die Patienten bei der Behandlung beschrieben, beurteilten die Ärzte, ob die Akupunktur jeweils richtig durchgeführt wurde. Die Zeichen sind unter anderem Taubheitsgefühl, Distension, Ausstrahlung und Schmerz.

Drei Studiengruppen

Wie Zhao und ihre Kollegen berichten, hatte die Häufigkeit der Migräneattacken in der Gruppe der Patienten mit korrekter Akupunktur um 3,2 abgenommen, in der Gruppe mit Scheinakupunktur dagegen nur um 2,1 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,4 und 1,9; p < 0,002). Zwischen der Gruppe mit Scheinakupunktur und den Patienten ohne Intervention gab es bei diesem Parameter keinen signifikanten Unterschied (0,7; 95%-Konfidenzintervall zwischen -0,1 und 1,4; p = 0,07).

Die durchschnittliche Zahl der Tage mit Migräne war bei den Patienten in der Verumgruppe ebenfalls niedriger als in der Gruppe derjenigen mit Scheinakupunktur; dieser Unterschied war signifikant (2,0 versus 3,1; p = 0,005). Schließlich war auch die Kopfschmerzintensität, und zwar beurteilt mithilfe der visuellen Analogskala (VAS-Score), mit korrekter Akupunktur signifikant niedriger (3,4 versus 4,2; p = 0,008). Der Bedarf an Schmerzmitteln unterschied sich jedoch nicht.

Die noch bis zum Herbst dieses Jahres gültige Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie kommt zu der Schlussfolgerung, dass Akupunktur in der Prophylaxe der Migräne wirksam ist. Allerdings sei eine Scheinakupunktur genauso wirksam wie eine Akupunktur nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin. Auf die Wirksamkeit einer Elektroakupunktur wird in der deutschen Leitlinie allerdings nicht eingegangen.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Thomas Georg Schätzler

Chinesische Migränetherapie kaum wirksam und ohne Triptan-Vergleich wertlos!


"Die Migräne ohne Aura ist mit etwa 80 % bis 85 % der Migräneanfälle die häufigste Form der Migräne. Von einer Migräne ohne Aura kann gesprochen werden, wenn in der Krankengeschichte mindestens fünf Migräneattacken auftraten, bei denen mindestens zwei der vier Hauptkriterien erfüllt sind und der Kopfschmerzphase keine Aura vorausging:

Hemikranie (einseitiger Kopfschmerz), Seitenwechsel ist möglich; mittlere bis starke Schmerzintensität; pulsierender oder pochender Schmerzcharakter: Verstärkung durch körperliche Aktivität. Zusätzlich muss mindestens ein vegetatives Symptom, also Übelkeit und optional Erbrechen oder Phono- und Photophobie, vorhanden sein."
https://de.wikipedia.org/wiki/Migr%C3%A4ne

Betrug die Zahl der Migräneattacken, wie in der hervorragenden Darstellung des ÄZ-Autors Peter Leiner ausgeführt, zwischen 2 und 8 pro Monat, also im Durchschnitt 4,9 - dann "hatte die Häufigkeit der Migräneattacken in der Gruppe der Patienten mit korrekter Akupunktur um 3,2 abgenommen, in der Gruppe mit Scheinakupunktur dagegen nur um 2,1" und ohne Therapie nur um 1,4 ["The mean (SD) change in frequency of migraine attacks differed significantly among the 3 groups at 16 weeks after randomization (P?<?.001); the mean (SD) frequency of attacks decreased in the true acupuncture group by 3.2 (2.1), in the sham acupuncture group by 2.1 (2.5), and the waiting-list group by 1.4 (2.5)"].

Daraus folgt, dass trotz aller Akupunktur-Bemühungen oder gar keiner, immer noch monatlich zwischen 1,7 bis 3,5 Migräneattacken bei den chinesischen Patienten auftraten!

Das ist im internationalen Vergleich mit der etablierten, qualitätsgesicherten und Evidenz-basierten (EbM) Migränetherapie niederschmetternd schlecht. Denn das therapeutische Ziel bei den verfügbaren Möglichkeiten der Triptane ist nicht der Erhalt von mehrfachen monatlichen Migräneattacken, sondern die Linderung und Aufhebung derselben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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