Nosokomiale Infektionen

Mit Feedback zu besserer Händehygiene

Händedesinfektion ist die wichtigste Maßnahme gegen nosokomiale Infektionen. Mit Rückmeldungen fürs Personal verbessert sich die Compliance deutlich, berichten Klinikärzte.

Von Wolfgang Geissel Veröffentlicht: 03.02.2020, 17:43 Uhr
Mit Feedback zu besserer Händehygiene

Grünes Licht zeigt die erfolgreiche Desinfektion an.

© HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

Berlin. Ein Feedback-System motiviert Personal in Kliniken zu konsequenter Händehygiene. Die Mitarbeiter erhalten dabei permanent und zeitnah Rückmeldungen zu ihrer Compliance. Sie werden nicht kontrolliert, denn über mögliche persönliche Defizite werden nur sie selbst informiert.

Dies verbessert die Umsetzung der Hygiene deutlich, berichten Dr. Patrick Braß vom Helios Klinikum Krefeld (HKK) und sein Kollege Dr. Christof Alefelder im „Epidemiologischen Bulletin“ des Robert Koch-Instituts (Epi Bull 5/2020). Kernelement ist die Aufzeichnung der Compliance im Team.

Das System besteht dabei aus drei Komponenten:

  • Mobilgerät: Dieses trägt der Mitarbeiter auf dem Oberkörper an der Kleidung. Es ist mit einem Gassensor für Alkohol versehen und beginnt bei jeder Händedesinfektion grün zu blinken. Das Gerät zeigt zudem an, ob die von der WHO vorgeschriebene Desinfektionsdauer von 30 Sekunden erreicht wird. Im Display erscheinen dann ein „gut“ als Lob, auch wird die Anzahl der Desinfektionen im Laufe des Tages angezeigt. Der Mitarbeiter kann zudem seine individuelle Zahl an Händedesinfektion mit Werten der gesamten Station vergleichen. Solche individuellen Auswertungen erhält nur der jeweilige Mitarbeiter.
  • Basisstation: Dort werden die mobilen Geräte aufgeladen und die gewonnenen Daten ausgelesen.
  • Wanddisplay: , Dieses zeigt anonyme, aggregierte Stationsstatistiken an. Das Team soll damit zu kontinuierlicher Verbesserung angespornt werden.

Zusätzlich wird automatisch auf besonders gute Werte automatisch per E-Mail hingewiesen. Einstellbare Erinnerungs- und Lobfunktionen der Mobilgeräte sorgen zudem für ein direktes Feedback im Arbeitsalltag. So erhalten zum Beispiel Mitarbeiter mit mehr als vier Händedesinfektion pro Stunde ein individuelles Lob am Gerätedisplay.

Mit Feedback zu besserer Händehygiene

Das Mobilgerät für Mitarbeiter.

© HELIOS Universitätsklinikum Wuppertal

Mitarbeiter mit weniger Desinfektionen werden durch Vibration des Geräts an die Maßnahmen erinnert. Monatsberichte und weitere Hinweise ergänzen die Optionen zur Förderung der internen Kommunikation zum Thema Händehygiene.

Die Händehygiene mit und ohne Feedback-System wurde dabei in drei Intensivstationen (internistisch, chirurgisch, herzchirurgisch) des Helios Klinikums Krefeld über je neun Monate geprüft. Die Mitarbeiter wurden dabei sukzessive geschult, und zwar zu Händehygiene im Stationsalltag. Compliance mit Feedback, monatliche Händedesinfektion-Verbräuche und die einzelnen Funktionen wurden schrittweise eingeführt.

Rückgang nosokomialer Infekte

Ergebnis: Nach Einführung des Systems stieg der Verbrauch an Händedesinfektionsmitteln pro Patienten und Tag von im Schnitt von 123 auf 169 ml an (37 Prozent). Die Compliance zur Händedesinfektion verbesserte sich von 62 auf 75 Prozent. Ohne das System gab es binnen neun Monaten 55 nosokomiale Infektionen mit multiresistenten Erregern, mit dem System 28 – ein Rückgang von 51 Prozent. Die Infektionsrate ging dabei von 3,5 auf 1,9 pro 1000 Patiententage zurück. Bei den nosokomialen Infektionen handelte es sich in der Mehrzahl um Pneumonien, die Pneumonierate sank dabei um 50 Prozent.

Die Mitarbeiter der Stationen waren in der Studie mit dem System sehr zufrieden, berichten Braß und Alefelder. Sie betonen jedoch: Entscheidend für die Akzeptanz ist die Anonymität der Datenerfassung. Von Beginn an sei zudem eine vertrauensvolle Kommunikation mit allen Anwendern notwendig. So lassen sich Sorgen früh erkennen, verstehen und ausräumen, bevor Widerstände und Probleme entstehen.

Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung. Auf Intensivstationen in Deutschland erkranken 15 bis 20 Prozent an nosokomialen Infektionen, berichten die Studienautoren. In Folge steigen Letalität, Liegezeiten und auch die Kosten der Therapie. Die Mehrzahl der nosokomialen Infektionen werde dabei durch die Hände der Mitarbeiter übertragen. Wichtigste Maßnahme zur Prävention ist die hygienische Händedesinfektion. Es sei daher besonders wichtig, die Compliance zu verbessern.

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