Ernährungsmedizin

Müssen Fleischesser Krebs fürchten?

OXFORD (mut). Wer komplett auf Fleisch in der Ernährung verzichtet, wird dafür offenbar mit einem etwas erniedrigten Krebsrisiko belohnt. Von den häufigsten Tumorformen wie Brust-, Darm- und Prostatakarzinomen werden Vegetarier jedoch genau so wenig verschont wie Fleischesser.

Veröffentlicht: 02.07.2009, 15:17 Uhr

Mit Daten von über 61 000 Teilnehmern haben britische Forscher nun eine der größten Analysen zu fleischloser Ernährung und Krebsrisiko vorgestellt - und damit für einige Überraschungen gesorgt. Hatte man erwartet, dass vor allem Darmkrebs seltener ist, wie andere Studien vermuten ließen, bekamen Vegetarier vor allem seltener Myelome, Lymphome, Blasen - und Magentumore.

Für die Analyse hatten die Forscher aus Oxford Daten zweier großer epidemiologischer Studien verwendet: der Oxford Vegetarian Study und der Oxford-Kohorte der EPIC-Ernährungsstudie. Sie gliederten die Teilnehmer in drei Gruppen: Vollvegetarier ohne jeglichen Fleischverzehr (20 600 Personen), Vegetarier mit Fischkonsum (8 500 Teilnehmer) und Menschen mit normaler, fleischhaltiger Diät (32 400 Personen). Nach im Schnitt 12,2 Jahren wurden insgesamt 3350 neue Krebserkrankungen registriert. Dabei traten bei Vollvegetariern etwa zwölf Prozent seltener Krebserkrankungen auf, bei Fisch-Vegetariern war die Rate um 18 Prozent niedriger - verglichen mit Fleischessern. Bei diesem Vergleich hatten die Forscher schon bekannte Krebsrisikofaktoren wie Rauchen, hoher BMI, Bewegungsmangel oder Östrogentherapie berücksichtigt (BJC 101, 2009, 192).

Auffällig war dabei die reduzierte Magenkrebsrate bei Vollvegetariern (minus 64 Prozent) und Fisch-Vegetariern (minus 71 Prozent). Als mögliche Erklärung wird vermutet, dass Krebs erregende Nitrosamine im erhitzten oder verarbeiteten Fleisch die Magenkrebsgefahr erhöhen. Dieser Mechanismus wird auch bei Darmkrebs diskutiert, doch hier gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Signifikant reduziert war bei Vollvegetarieren auch die Rate für Lymph- und Blutkrebs (minus 45 Prozent), vor allem für Multiple Myelome (minus 75 Prozent). Hier vermuten Experten, dass Mutagene oder Viren im Fleisch von Bedeutung sein könnten. Kaum eine Erklärung gibt es dagegen für die erniedrigte Rate von Blasentumoren (minus 53 Prozent bei Vollvegetariern).

Auch wenn die Analyse Vegetariern ein erniedrigtes Krebsrisiko bescheinigt, so warnen die Autoren davor, aufgrund dieser Daten die Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Trotz der hohen Teilnehmerzahl war die Inzidenz der einzelnen Tumoren teilweise sehr niedrig und die statistische Basis damit sehr klein. Zudem ist das Krebsrisiko nicht der alles entscheidende Faktor bei der Ernährung. Sie plädieren daher weiterhin für eine ausgewogene Mischkost.

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