Bundeslandwirtschaftsminister

Nein zur Lebensmittel-Ampel

Grün für gesunde Lebensmittel, rot für Dickmacher und Co.: Eine Ampel-Kennzeichnung von Nahrungsmittel wird von der Verbraucherzentrale gefordert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian lehnt die Idee ab.

Veröffentlicht: 15.03.2016, 10:17 Uhr

BERLIN. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat sich strikt gegen eine Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln ausgesprochen.

"Sie ist eine unzulässige Vereinfachung und klärt nur scheinbar über den gesundheitlichen Wert des Lebensmittels auf", sagte der CSU-Politiker zum Weltverbrauchertag am (heutigen) Dienstag.

Wenn es um die individuellen Ernährungsgewohnheiten gehe, dürfe der Staat "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren", fügte er hinzu.

Schmidt sagte: "Ich kann nicht per Verordnung dafür sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen." Transparenz und Information seien kein Selbstzweck. Ein Zuviel an Information überfordere die Konsumenten.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband, der für die Ampel-Kennzeichnung ist, forderte: "Bundesminister Christian Schmidt muss "Klarheit und Wahrheit" im Sinne der Verbraucher durchsetzen." Dies erfordere umfangreiche Reformen - auch gegen Widerstände aus der Wirtschaft.

Schmidt betonte, die Politik habe dafür gesorgt, dass Lebensmittel in Deutschland heute so sicher seien wie nie zuvor.

Die Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Verbraucherschutz, Renate Künast (Grüne), sieht das anders. Sie sagte: "Da ist in den letzten Jahren sehr wenig passiert. Mehr Sicherheit setzt die massive Reduzierung von Tierarzneimitteln und Pestiziden voraus." (dpa)

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als "IM" der "heute show"?

Da frage ich mich doch unwillkürlich, ob Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt jetzt als "Inoffizieller Mitarbeiter" (IM) bei der "heute show" des ZDF akkreditiert ist? Denn dass die schlichte Ampelkennzeichnung (Grün-Gelb-Rot) von Lebensmitteln "eine unzulässige Vereinfachung" sei, ist pure Realsatire: Dann wäre jede Verkehrsampel ja auch eine "unzulässige Vereinfachung" des Straßenverkehrs, weil nicht alle gleichzeitig drauflos fahren und über die Straße rennen dürfen.

Im Übrigen bestimmen "den gesundheitlichen Wert des Lebensmittels" grundsätzlich immer seine Inhaltsstoffe, speziell der Fett-, Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Kaloriengehalt.

- Wer weiß schon, dass angeblich "gesundes" Knäckebrot extrem viel Fett enthält und nur in Wachspapier verpackt ansehnlich bleibt?
- Wer weiß schon, warum bei allen Käse-Sorten grundsätzlich Fett i. Tr. (in Trockenmasse) angegeben wird, ohne Angaben zum Wassergehalt?
- Wurstwaren der Metzger von dieser Verpflichtung befreit bzw. gegenüber Käse privilegiert werden (Fett i. Tr. je nach Wassergehalt ca. 80-90%)?
- Kartoffel-Chips vor Fett und Zusatzstoffen nur so triefen - deshalb die Dose oder beschichtete Tüten als Verpackungsmaterial?
- Fruchtsäfte nur fruchteigenen Zucker, Fruchsaftgetränke dagegen mengenweise Fremdzucker enthalten dürfen?
- Fertigprodukte und -Mahlzeiten etwas völlig anderes enthalten dürfen, als auf der bunten Verpackung abgebildet?

Wenn der Staat "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren" solle, warum gibt es dann eine Anschnallpflicht bei der Einkaufsfahrt, Sicherheitsvorschriften bei Elektro- und Gas-Herden oder der Küchenbeleuchtung?

Es bleibt unerfindlich, wie die schlichte Ansage "Rot-Gelb-Grün" ein Zuviel an Information und eine Überforderung der Konsumenten und potenziellen CSU-Wählerinnen und Wähler bedeuten könne? Jedes Kindergartenkind kennt bereits die 3 Ampelfarben und ihre Bedeutungen, selbst in Bayern.

Wenn aber der ernährungsphysiologische Horizont eines Bundeslandwirtschaftsministers nur dazu reicht, "nicht per Verordnung dafür (zu) sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen", kann man nur fragen, warum wurde dieser Mann nicht häufiger in der "heute show" des ZDF interviewt?

Die dpa zeigt, wie man es macht: Einfach nur schreiben "Bundeslandwirtschaftsminister Christian lehnt die Idee ab". Und schon ist wieder "alles in Butter", wie das „Du“ in Skandinavien?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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