Neuro-psychiatrische Krankheiten

Netzhaut-Chip lässt Blinde wieder ein bisschen sehen

TÜBINGEN (mut). Ärzte aus Tübingen haben jetzt erste Ergebnisse einer Pilotstudie mit einem Netzhaut-Chip vorgestellt. Der Chip war sieben erblindeten Patienten sub-retinal für fünf Wochen implantiert worden. Sie konnten in dieser Zeit wieder grobe visuelle Eindrücke wahrnehmen.

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Der etwa drei mal drei Millimeter große und 25 000 Euro teure Chip übernehme die Funktion von abgestorbenen Sehzellen, hat Professor Eberhart Zrenner bei einer Pressekonferenz in Tübingen berichtet. Das Implantat, eine Art Mini-Solarzelle, wird subretinal verpflanzt und erzeugt Strom aus dem einfallenden Licht. Dieser Strom wird verstärkt und an die Nervenzellen der Netzhaut übertragen.

Geeignet ist das Implantat daher nur für Menschen, die früher einmal sehen konnten und deren Sehnerven und die entsprechenden Hirnregionen noch intakt sind. Erprobt wurde der Chip bei Patienten mit Retinitis pigmentosa, einer degenerativen Netzhauterkrankung. Eine Option wären solche Chips jedoch auch für Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD). Die AMD ist die häufigste Ursache für Erblindung in Deutschland.

Die Pilotstudie habe gezeigt, dass der Chip tatsächlich funktioniert, sagte Zrenner. Mit dem Chip könnten die Patienten Lichtquellen wie Lampen oder Fenster erkennen und Kontraste gut wahrnehmen. Der Chip soll Blinden zumindest ermöglichen, sich wieder räumlich zu orientieren.

Entwickelt wurde das Implantat vom Reutlinger Start-up-Unternehmen Retina-Implant. Der Chip soll 2009 auf den Markt kommen, kündigte der Geschäftsführer des Unternehmens Dr. Walter G. Wrobel an.

Vor den Tübinger Ärzten hatten bereits US-Forscher erfolgreich Silizium-Chips sowohl epiretinal als auch subretinal implantiert. Neu am Reutlinger Chip ist, dass er die Lichtsignale über eine Verarbeitungselektronik aktiv verstärkt und so ein kontrastreiches Bild ermöglichen soll.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Etwas Licht für Blinde

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