Fragilitätsfrakturen

Neue EULAR-Leitlinie

Multidisziplinäres Akutmanagement, Abklärung des Risikos einer erneuten Fraktur, physikalische Therapie und gegebenenfalls eine effektive Pharmakotherapie sind die Eckpfeiler in der neuen Leitlinie zu Fragilitätsfrakturen.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:

LONDON. Fragilitätsfrakturen von Frauen und Männern über 50 Jahren zählen zu den häufigsten muskuloskeletalen Behandlungsanlässen, wegen denen Spezialisten aus mehr als einem Fachgebiet konsultiert werden, erläuterte Professor Willem Lems, Abteilung für Rheumatologie am Medizinischen Zentrum der Universität Amsterdam, die Hintergründe der Leitlinie zu Fragilitätsfrakturen beim diesjährigen EULAR-Kongress.

"Einzigartige Leitlinie"

Sowohl die EULAR, als auch die European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT) hätten die Bedeutung einer optimalen multidisziplinären Akutversorgung von Patienten mit kürzlicher Fraktur sowie der Prävention weiterer Frakturen bei Hochrisikopatienten erkannt und daher diese Leitlinie gemeinsam auf den Weg gebracht.

"Dies ist in sofern eine einzigartige Leitlinie, als sie sowohl die Akutversorgung als auch die anschließende Frakturprävention umfasst," betonte Lems.

Generell können Frakturen von unter 50-Jährigen in der Mehrzahl der Fälle ambulant konservativ beziehungsweise operativ versorgt werden. Frakturen bei über 50-Jährigen sollten dagegen in der Mehrzahl der Fälle im Anschluss an die Akutversorgung im Rahmen eines Fracture Liaison Service versorgt werden, um weitere Frakturen effektiv vermeiden zu können.

Die Leitlinie empfiehlt, das prä- und perioperative Management von Fragilitätsfrakturen in einem multidisziplinären Kontext durchzuführen, um so ein adäquates präoperatives Assessment, eine gute Vorbereitung der Patienten (adäquate Schmerzbehandlung, ausgeglichener Flüssigkeitshaushalt) und einen operativen Eingriff innerhalb von 48 Stunden gewährleisten zu können.

Gerade bei älteren Patienten mit Hüftfraktur sollte ein orthopädisch-geriatrisches Comanagement erfolgen, um das funktionelle Outcome zu verbessern und Dauer des Krankenhausaufenthaltes sowie Mortalität zu reduzieren.

Bei diesen häufig älteren und multimorbiden Patienten mit brüchigen Knochen erfordere eine adäquate Behandlung häufig ein genaues Abwägen im Hinblick auf eine operative versus nicht-operative Behandlung sowie der vielversprechendsten Fixierung. Bei allen über 50-Jährigen sollte das Risiko einer erneuten Fraktur systematisch evaluiert werden.

Frühes postoperatives Training

Die Rehabilitation nach Fragilitätsfraktur sollte aus einem frühen postoperativen körperlichen Training mit Muskelkräftigung und einem langzeitig fortgeführten Gleichgewichtstraining in Kombination mit einer multidimensionalen Sturzprävention bestehen.

Die Leitlinie rät zudem dazu, Patienten in Bezug auf Krankheitslast, Risikofaktoren für Frakturen, Kontrolluntersuchungen und Dauer der Therapie aufzuklären.

Dies sollte von einer nicht-pharmakologischen Behandlung begleitet werden, die einerseits eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D (800 IE/d) und Calcium (1000-1200 mg/d), andererseits den Rauchstopp und die Einschränkung des Alkoholkonsums umfassen sollte.

Die letzte Empfehlung gilt der pharmakologischen Therapie mit Substanzen, für die ein Effekt sowohl auf vertebrale, als auch nicht-vertebrale und Hüftfrakturen belegt ist, also Alendronat, Risedronat, Zoledronat und Denosumab. Die Therapie sollte regelmäßig auf Verträglichkeit und Adhärenz hin kontrolliert werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Diagnostik bei Kindern

Kombination aus FAST und AST: sensitiver Score bei stumpfem Bauchtrauma

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht

Diabetische Retinopathie

Auch Hypoglykämien werden der Netzhaut gefährlich

Lesetipps
Eine Pillenbox gefüllt mit Medikamenten.

© Mouse family / stock.adobe.com

Tipps aus der Medizin, Pflege und Pharmazie

Wie sich die Adhärenz bei oraler Tumortherapie steigern lässt

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Pertussis: Auch die Großeltern impfen?