Lymphome/Leukämie

Neue Option beim Myelom geprüft

LEIPZIG (grue). Der Goldstandard in der Therapie älterer Patienten mit multiplem Myelom ist die Kombination aus Melphalan und Prednison. Derzeit wird geprüft, ob eine Dreifachkombi noch wirksamer ist.

Veröffentlicht: 26.02.2007, 08:00 Uhr

In der Studie VISTA (Velcade as Initial Standard Therapy in multiple Myeloma) wird die Wirksamkeit der Dreifachkombi aus Bortezomib (Velcade®) plus Melphalan plus Prednison mit dem bisherigen Goldstandard Melphalan/ Prednison verglichen. Sollte die Studie erfolgreich verlaufen, hätte Bortezomib, ein Proteasom-Hemmer, den Sprung in die Erst-Linien-Therapie beim multiplen Myelom geschafft.

Derzeit ist der Proteasom-Hemmer als Monotherapie bei Myelom-Patienten bereits nach nur einer Vorbehandlung zugelassen. Wie Professor Hermann Einsele aus Würzburg bei einer Veranstaltung von Ortho Biotech in Leipzig berichtete, hat sich die Aufnahme von Bortezomib in die Primärtherapie schon in einer Vorläuferstudie bewährt. Darin wurden mit der Dreifachtherapie nach sieben Zyklen Ansprechraten von fast 90 Prozent erreicht.

"Schon nach dem ersten Durchgang mit der Dreifachkombi gab es mehr Patienten mit partiellen oder kompletten Remissionen als nach vier Zyklen Melphalan/Prednison", so Einsele. Komplettes Ansprechen etwa bedeutet, dass monoklonales Immunglobulin in Blut und Urin nicht nachweisbar ist.

Auch bei jüngeren Patienten könnte Bortezomib in der Reihenfolge der Therapien weiter nach vorn rücken. Bei dieser Gruppe von Myelom-Patienten dreht sich alles um die Stammzelltransplantation. Bis zu einem Lebensalter von etwa 70 Jahren wird deshalb als primäre Option eine Hochdosis-Chemotherapie mit nachfolgender autologer Blutstammzelltransplantation angeboten. Werden die Patienten vor der Stammzellgewinnung mit Bortezomib im Zusammenhang mit der Hochdosistherapie behandelt, erreichen bis zu 95 Prozent eine Remission.

Dieser Erfolg hält nach der Transplantation für lange Zeit an, sagte Einsele. Womöglich sei es aber noch besser, mit Bortezomib auch nach der Transplantation noch einige Zeit weiter zu behandeln. "Das scheint den Behandlungserfolg weiter zu festigen", so Einsele. Bei bisher elf so behandelten Patienten seien keine gravierenden Toxizitäten aufgetreten. Dank hochdosierter Chemotherapie und Stammzelltransplantation lebt heute jeder fünfte Myelom-Patient noch mindestens 15 Jahre.



STICHWORT

Proteasom

Proteasome sind wichtige Abbauorte für Proteine im Zellinneren. Sie zerlegen unter Energie-Verbrauch nicht nur beschädigte Eiweißmoleküle und entsorgen sie so, sondern sie fungieren auch als Regulatoren, die die Zusammensetzung des Signalmolekül-Pools einer Zelle mitbestimmen. Die Proteasome werden aktiv, sobald ein unerwünschtes Eiweiß mit Ubiquitin-Molekülen markiert wurde. (ple)

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