Direkt zum Inhaltsbereich

Adipositas

Neue Therapien sind noch in weiter Ferne

Adipositas hat sich in Deutschland wie eine Seuche ausgebreitet. Neue Therapien werden dringend gesucht, die Forschung steht aber erst am Anfang, wurde beim Internistenkongress deutlich.

Veröffentlicht:
Adipositas nimmt in Deutschland zu, neue Therapien sind aber nicht in Sicht.

Adipositas nimmt in Deutschland zu, neue Therapien sind aber nicht in Sicht.

© Sheila Eames / fotolia.com

WIESBADEN. Mit etwa 4,2 Millionen Betroffenen ist krankhafte Adipositas (BMI über 35) in Deutschland eine Volkskrankheit. Besonders extreme Adipositas (BMI 50-60) ist dabei mit einem ähnlich hohen Sterberisiko verbunden wie manche Krebserkrankung, hat Professor Stephan Bischoff beim Internistenkongress in Wiesbaden betont.

Die Zahl dieser extrem Dicken wird in Deutschland bereits auf 400.000 geschätzt, wie der ärztliche Direktor des Zentrums für Ernährungsmedizin der Universitäten Hohenheim und Tübingen berichtet hat. Trotzdem „steckt die Versorgungsforschung bei Adipositas in den Kinderschuhen“, kritisierte Bischoff.

Wen sollen wir behandeln und wie? Lassen sich aus neuen Forschungsergebnissen Strategien gegen Adipositas ableiten? Lösungen sind noch in weiter Ferne, wie im Plenarvortrag von Bischoff deutlich wurde.

Abgesehen von Adipositas-Chirurgie und multimodalen Programmen mit kalorienarmer Kost gibt es keine wirksamen Optionen zum Abspecken bei Adipositas. Ein breites Spektrum neuer Therapieansätze wird hier erforscht. Diese reichen von der Beeinflussung des Ernährungsverhaltens über die Veränderung einer „adipogenen Umwelt“ etwa mit ungesundem Essen in Schulkantinen bis hin zur Modulation von Darmfunktionen.

Letztere erläuterte Bischoff am Beispiel der über 1000 verschiedenen Mikroorganismen im Darm des Menschen. Dieses Mikrobiom hat 150 Mal mehr Gene als der Mensch selbst. Viele dieser Gene regulieren Verdauungsenzyme. Die Konsequenz: Mit der Unterstützung von Darmbakterien lässt sich fünf bis zehn Prozent mehr Energie aus der Nahrung ziehen als ohne die Organismen.

Auf dem Weg zu Adipositas verändert sich die Darmflora, wodurch die Energieaufnahme steigt. Bis aus solchen wissenschaftlichen Erkenntnissen aber Therapien werden, ist es noch weit.

Gefragt ist daher besonders die Prävention. Da meist nur ein geringer täglicher Kalorienüberschuss über Jahre zu krankhaftem Übergewicht führt, bewähren sich hier offenbar einfache Programme wie „America on the Move“ von Professor James Hill von der Universität in Colorado.

Täglich nur 2000 zusätzliche Schritte und 100 kcal weniger in der Kost haben sich als wirksam erwiesen. Hierzu wurden einfach zuckerhaltige Limonaden aus der Kost gestrichen. (eis)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update 2026

S3-Leitlinie Lungenkrebs: Das sind die wichtigsten Änderungen

Frage an die Ethiker

Darf der Intimbereich beim Hautkrebs-Screening ausgelassen werden?

Lesetipps
Ein junger Mann liegt im Herz-CT und bekommt gleichzeitig ein EGK geschrieben.

© Svitlana / stock.adobe.com

Plaques bewerten

Screening mittels Koronar-CT: Was das bringen könnte

Ein Körper, der an mehreren Stellen schmerzt.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

HICP-Prävalenz untersucht

So verbreitet sind chronische Schmerzen in Deutschland