Interview

Neue Wirkstoffe sollen Diabetes bremsen

Gleich ein halbes Dutzend Wirkstoffe werden derzeit darauf getestet, ob sie die immunpathologischen Vorgänge bei der Entwicklung des Typ-1-Diabetes aufhalten können. Privatdozentin Nanette Schloot wird beim Praxis Update Daten hierzu präsentieren.

Veröffentlicht:
Substanzen zum Betazellschutz werden geprüft.

Substanzen zum Betazellschutz werden geprüft.

© Alexander Raths / fotolia.com

Ärzte Zeitung: Frau Privatdozentin Schloot, haben auch Typ-1-Diabetiker noch eine Betazell-Restaktivität?

Privatdozentin Nanette Schloot: Ja, auch beim Typ-1-Diabetes sterben nicht schlagartig alle Betazellen des Pankreas ab. Bei etwa der Hälfte der Patienten kommt es nach Diagnose zunächst zur Remission, sodass wenig exogenes Insulin nötig ist. Nach 10 bis 15 Jahren verfügt aber kaum noch ein Typ-1-Diabetiker über endogenes Insulin.

Ärzte Zeitung: Was kann man tun, um diesen Prozess zu verzögern?

Schloot: Grundlage ist natürlich eine gute Stoffwechseleinstellung. Zudem laufen mehrere randomisierte, kontrollierte, doppelblinde Studien zu Substanzen, die den immunpathologischen Prozess bei Typ-1-Diabetes bremsen und die Betazellen zusätzlich entlasten sollen.

PD Dr. Nanette Schloot

Neue Wirkstoffe sollen Diabetes bremsen

© privat

Aktuelle Position: Oberärztin an der Klinik für Stoffwechselkrankheiten am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Werdegang: 1998 - 2006 Diabetes-Zentrum und Evangelisches Krankenhaus in Düsseldorf.

2005 Habilitation an der medizinischen Fakultät der Uni Düsseldorf (Innere Medizin).

Ärzte Zeitung: Welche sind das?

Schloot: Zum einen Otelixizumab, ein Antikörper, der sich gegen T-Zellen richtet. Auch werden derzeit Glutamat-Decarboxylase (GAD) und DiaPep277 getestet. Diese Substanzen laufen schon in Phase-III-Stu-dien. Phase-II-Studien gibt es zu Rituximab, Anakinra und Atorvastatin, die man schon von anderen Indikationen kennt.

Ärzte Zeitung: In welchen Darreichungsformen werden diese Wirkstoffe verabreicht?

Schloot: Atorvastatin als Tablette, alle anderen als subkutane oder intravenöse Injektionen. Meist sind einige wenige Gaben beim Arzt zu Beginn der Erkrankung vorgesehen.

Ärzte Zeitung: Wie schätzen Sie das Potenzial der Substanzen zur Verzögerung eines Diabetes mellitus vom Typ 1 ein?

Schloot: Die belastbarsten Daten gibt es zu Otelixizumab, zu GAD und zu DiaPep277. Allerdings verzögern diese Therapien den Krankheitsverlauf bisher nur und können die Progression nicht stoppen. Hier werden hoffentlich in Zukunft Kombinationstherapien den Durchbruch bringen.

Ärzte Zeitung: Welche Rolle spielt der Zeitpunkt der Therapie?

Schloot: Eine große Rolle. So werden derzeit noch etliche Typ-1-Diabetiker für die anstehenden Studien gesucht. Bedingung ist, dass ihre Erkrankung vor maximal 3 bis 6 Monaten manifest wurde: Dies sind die Patienten, die von den neuen Therapien profitieren könnten.

Das Interview führte Simone Reisdorf.

Das Praxis Update findet an vier Orten und zwei Terminen statt: am 06. und 07. Mai 2011 in Berlin und München, am 20. und 21. Mai 2011 in Wiesbaden und Düsseldorf. Es gibt bei Teilnahme an beiden Tagen 16 CME-Punkte.

Weitere Informationen unter www.praxis-update.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich mit konservativer Therapie

Hyperparathyreoidismus: Operation kann vor Diabetes schützen

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?