Studie

Neuer Stent senkt Komplikationsrate nach Infarkt

Durch einen neuen Medikamente freisetzenden Koronarstent mit abbaubarer Polymer-Beschichtung konnte in einer Studie bei Patienten mit akutem Herzinfarkt die Inzidenz von kardialen Komplikationen im Vergleich zu einem unbeschichteten Sten signifikant reduziert werden.

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Initiales EKG bei einem Patienten mit den typischen Zeichen eines STEMI.

Initiales EKG bei einem Patienten mit den typischen Zeichen eines STEMI.

© Springer Medizin

BERN (ob) Medikamente freisetzende Stents (drug-eluting stents, DES) haben im Vergleich zu reinen Metallstents (bare metal stents, BMS) relevante Vorteile. Durch Beschichtung dieser Stents mit antiproliferativen Wirkstoffen konnte das reaktive Zellwachstum nach Stentimplantation verringert und so die Restenoserate deutlich gesenkt werden. Eine Polymer-Schicht auf dem Stent dient zumeist als Matrix, die den Wirkstoff über eine begrenzte Zeit freisetzt.

Allerdings wurden bei der ersten Generation der Stents vom DES-Typ relativ häufig späte Stentthrombosen beobachtet. Als mögliche Ursache gilt das nicht abbaubare Polymer des beschichteten Stents, das den raschen Überzug der Stentoberfläche mit Endothelzellen und damit den natürlichen Thromboseschutz behindert und verzögert.

Daraus resultierende Sicherheitsbedenken waren der Grund, dass besonders beim ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) bisher Zurückhaltung beim Einsatz von DES praktiziert wurde.

Neuer Stent-Typ mit abbaubarer Oberfläche

Inzwischen sind Stents mit einem Polymer entwickelt worden, das innerhalb von Monaten biologisch vollständig abgebaut wird. Der ursprüngliche Drug-eluting Stent verwandelt sich so, was die Oberfläche betrifft, in einen gewöhnlichen Bare Metal Stent.

Ein solcher Stent neuen Typ ist der BioMatrix-Stent des Unternehmens Biosensors Europe. Er setzt aus einem bioresorbierbaren Polymer, das sich nach sechs bis neun Monaten aufgelöst hat, das Immunsuppressivum Biolimus frei (BES: Biolimus-eluting Stent).

In einer Langzeitstudie über vier Jahre (LEADER) konnte gezeigt werden, dass dieser Stent das Risiko für späte Stentthrombosen im Vergleich zu einem Sirolimus freisetzenden Stent der ersten Generation um 80 Prozent reduziert.

Neue Studie von Schweizer Kardiologen

Eine Gruppe von Schweizer Kardiologen um Professor Stephan Windecker aus Bern sah sich dadurch ermutigt, die neue Gefäßstütze mit abbaubarem Polymer bei Patienten mit STEMI im Vergleich mit einem unbeschichteten BMS zu untersuchen (JAMA 2012; 308: 777). In ihre randomisierte Studie (COMFORTABLE AMI) hat sie 1161 Patienten mit STEMI aufgenommen, denen bei perkutaner Koronarintervention (PCI) je zur Hälfte ein BES oder ein herkömmlicher unbeschichteter BMS in die Infarktarterie implantiert wurde.

Die Bilanz nach einem Jahr: Die Rate der Ereignisse kardialer Tod, Reinfarkt im koronaren Zielgefäß und erneute Wiedereröffnung der koronaren Zielläsion (primärer kombinierter Endpunkt) betrug nach BES-Behandlung 4,3 Prozent und nach BMS-Behandlung 8,7 Prozent (relative Risikoreduktion: 51 Prozent).

Ausschlaggebend für den Unterschied war die geringere Zahl von Reinfarkten (0,5 versus 2,7 Prozent) und erneuten Revaskularisationen (1,6 versus 5,7 Prozent) nach BES-Implantation. Bei der kardialen Mortalität gab es keinen Unterschied.

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Die Autoren eines Editorials weisen darauf hin, dass weder die Größe der Studienpopulation noch die Dauer der Nachbeobachtung ausreichend seien, um Effizienz und Sicherheit des neuen Stents definitiv klären zu können.

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