Colitis ulcerosa

Neuer Target zur Prävention von Darmkrebs

Das Protein NFATc2 könnte eine Therapie zur Vorbeugung von Darmkrebs bei Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung ermöglichen. NFATc2 reguliert das tumorfördernde Interleukin-6.

Veröffentlicht:

ERLANGEN-NÜRNBERG (eb). Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben ein Protein entdeckt, das für die Bildung des tumorfördernden Botenstoffs Interleukin-6 (IL-6) verantwortlich ist.

Die Entdeckung könnte zu einem neuen Therapieansatz zur Verhinderung von Darmtumoren bei chronischen Darmerkrankungen führen (Cancer Research 2012; online 27. Juni).

Colitis ulcerosa ist eine chronische und meist in Schüben verlaufende Erkrankung des Dickdarms. In Deutschland wird die Zahl der betroffenen Patienten auf etwa 168.000 geschätzt.

Typische Beschwerden sind häufige blutig-schleimige Durchfälle, Bauchschmerzen im linken Unterbauch, ständiger Stuhldrang, Fieber und allgemeine körperliche Schwäche.

Je weiter die Entzündung im Dickdarm fortgeschritten ist, desto ausgeprägter treten die Symptome auf und desto höher ist das Risiko für die Entstehung von Darmkrebs. Die genaue Ursache für die Darmerkrankung und die hohe Wahrscheinlichkeit der Krebsentwicklung sind trotz weltweiter Forschungsbemühungen noch unklar.

Transkriptionsfaktor NFATc2 fördert Krebsentstehung

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Benno Weigmann an der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen erforscht seit Jahren die molekularen Zusammenhänge, die zum Entstehen von Colitis ulcerosa führen.

"Wir versprechen uns davon ein besseres Verständnis des Krankheitsverlaufs. Insbesondere möchten wir wissen, warum in späteren Krankheitsphasen häufig Darmtumoren entstehen",wird Weigmann in einer Mitteilung der Universität zitiert.

"Wenn uns das gelingt, dann bestehen auch gute Chancen, eine wirksame Therapie zu entwickeln."

Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe sind spezielle Proteine, sogenannte NFAT-Transkriptionsfaktoren. Eine besondere Rolle spielt der Transkriptionsfaktor NFATc2: Er ist für die Aktivierung von T-Zellen wichtig und wurde schon früher in Zusammenhang mit der Colitis ulcerosa gebracht.

Nun konnten die Erlanger Mediziner zeigen, dass NFATc2 auch an der späteren Tumorentwicklung im Darm beteiligt ist. "Zunächst haben wir in den Darmtumoren von Patienten eine erhöhte Konzentration von NFAT2c nachgewiesen", erklärt Benno Weigmann.

"In späteren Experimenten konnten wir dann die tumorfördernde Wirkung von NFATc2 bestätigen."

Protein NFATc2 steuert die Apoptose

NFATc2 steuert die Apoptose - eine Art programmierter Zelltod - und die Proliferation, die Vermehrung von Zellen. Fehlt dieses Protein, sterben viel mehr Zellen ab, und entartete Zellen werden schneller aus dem Körper entfernt.

Tumore können dann gar nicht erst entstehen. Im Besonderen steuert NFATc2 die Entwicklung des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin-6. Dieses Interleukin spielt bei Krebserkrankungen eine wichtige Rolle und fördert die Entstehung von Metastasen.

Mit steigender IL-6 Konzentration im Patientenserum steigt auch die Wahrscheinlichkeit für eine Tumorerkrankung. Dies konnte ebenfalls in Experimenten gezeigt werden.

Die Identifizierung von NFATc2 als wichtigen Regulator des tumorfördernden Botenstoffes IL-6 ist ein entscheidender Schritt bei der Aufklärung der bei chronischen Entzündungsprozessen ablaufenden Kanzerogenese.

Weigmann und seine Mitarbeiter hoffen, dass die gewonnenen Erkenntnisse zu einem neuen Therapieansatz führen, der die Bildung von Tumoren bei Patienten mit chronischer Darmerkrankung verhindert.

Mehr zum Thema

Darmkrebs

Welche CED-Patienten sind besonders krebsgefährdet?

Encorafenib + Cetuximab bei BRAFV600E-mutiertem mCRC

G-BA-Urteil: „Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg i. Br.
Das könnte Sie auch interessieren
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Management tumorassoziierter VTE

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Ein Arzt impft eine Frau in einer Hausarztpraxis mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech. Die Vakzine von AstraZeneca soll nun doch nicht in die Praxen kommen.

Neue Bestellmodalitäten

Nun gibt es doch nur Comirnaty® für Arztpraxen

Barometer steht auf Schlechtwetter: Wechselhaft bis regnerisch – auch Ärzte blicken in der aktuellen Phase der Pandemie nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Herbst 2020.

Medizinklimaindex

Stimmung bei Hausärzten beginnt zu kippen