Asthma

Neuer Therapieansatz entdeckt

Entdeckung in der Asthma-Forschung: Fehlt ein bestimmtes Protein in den Schleimhautzellen der Atemwege, wird das Lungensekret nicht verdünnt. Diese Erkenntnis könnte helfen, Arzneien für Patienten mit schwerem Asthma zu entwickeln.

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Trotz optimaler Behandlung bekommen manche Patienten noch Asthmaanfälle.

Trotz optimaler Behandlung bekommen manche Patienten noch Asthmaanfälle.

© Katarzyna Leszczynsk/fotolia.com

HEIDELBERG. Bei schweren Formen des Asthma bronchiale fehlt ein bestimmtes Transportprotein, das zur Verdünnung des Lungensekrets beiträgt.

Der Schleim bleibt trocken, löst sich nicht und kann die Atmung lebensgefährlich behindern.

Diesen Zusammenhang haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Hochschule Hannover im Tiermodell herausgefunden.

Sie zeigten außerdem: Kinder mit Veränderungen im genetischen Bauplan für das Protein haben ein höheres Asthmarisiko. Nun können Wirkstoffe entwickelt werden, die an dieser Stelle gezielt ansetzen (J Clin Invest 2012; 122(10): 3629-3634).

Verfügbare Medikamente helfen Patienten mit schwerem Asthma wenig

Asthma zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland: Rund zehn Prozent aller Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen sind betroffen.

Als Reaktion auf allergieauslösende Stoffe in der Atemluft verengen sich die Bronchien, die Schleimhäute der Atemwege schwellen an und sondern verstärkt Sekret ab, es entsteht eine chronische Entzündung.

Gängige Therapien lösen die verkrampfte Muskulatur der Bronchien und unterdrücken die Entzündung.

Bei Patienten mit sehr schwerem Asthma sind aber häufig zusätzlich die Atemwege mit trockenem Schleim ausgekleidet und verstopft - ihnen helfen die verfügbaren Medikamente daher nur wenig.

"Es gibt bisher noch keine Wirkstoffe, mit denen wir den Abfluss des zähen Sekrets bei schweren Asthmaanfällen fördern könnten", wird Professor Marcus Mall, Direktor der Abteilung Translationale Pneumologie des Zentrums für Translationale Lungenforschung Heidelberg und Seniorautor des Artikels in einer Mitteilung der Universität Heidelberg zitiert.

Das Team aus Heidelberg und Hannover identifizierte im Rahmen einer Zusammenarbeit im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) nun erstmals eine Ursache für den zu trockenen Schleim und damit den ersten Ansatzpunkt zur Behandlung.

Erkenntnisse aus Tierversuch

Die Wissenschaftler untersuchten an Mäusen den Einfluss des Proteins SLC26A9, einem Chloridkanal in den Zellen der Atemwegsschleimhäute, auf den Asthma-Schweregrad.

Das Eiweißmolekül ist wichtig für den Flüssigkeitstransport aus dem Zelleninneren auf die Oberfläche der Atemwege. Sie zeigten, dass der Chloridkanal bei der allergischen Entzündung aktiviert wird und Chlorid aus der Schleimhaut in das Lungensekret transportiert.

Wasser strömt nach und befeuchtet den vermehrt gebildeten Schleim. So kann dieser sich lösen und mit den Allergenen und anderen Reizstoffen aus der Lunge befördert werden.

Anders bei Mäusen mit Asthma, die den Kanal nicht bilden können: Bei ihnen steigt der Chlorid-Transport nicht an. In ihren Lungen entstehen unlösliche Schleimpfropfen, wie sie auch bei Menschen mit therapieresistentem Asthma zu finden sind.

Studie mit 1300 Kindern

Zusätzlich suchte das Team bei 661 Kindern mit Asthma und 658 gesunden Kindern nach Fehlern im genetischen Bauplan des Chloridkanals.

"Bestimmte Veränderungen, die die Funktion des Proteins beeinträchtigen, waren bei Kindern mit Asthma zu 50 Prozent häufiger zu finden als bei gesunden Kindern", so Mall. "Wir gehen daher davon aus, dass Fehler im Aufbau oder in der Regulation des Kanals das Risiko, an schwerem Asthma zu erkranken, deutlich erhöhen."

Nun gilt es zu klären, welche Veränderungen des Kanals beim Menschen vorkommen und wie diese sich auf die Schwere der Erkrankung auswirken.

Künftig könnte ein Wirkstoff, der SLC26A9 aktiviert, den Patienten helfen, bei denen bisherige Therapien nicht anschlagen.

Eventuell ließe sich ein solches Medikament auch in der Behandlung bei Mukoviszidose einsetzen: Auch bei dieser Krankheit bildet sich zäher Schleim in der Lunge, der unter anderem chronische Lungenentzündungen hervorruft und die Atmung behindert. (eb)

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