Neues gegen Diabetes-Gastroparese

DÜSSELDORF (hbr). Eine diabetische Gastroparese macht die Kohlenhydratwirkung unwägbar. Insulinbehandelten Diabetikern fällt es dann schwer, die Wirkung von Insulin und Kohlenhydraten aufeinander abzustimmen. Neue Therapieoptionen wie Botulinumtoxin scheinen den Patienten zu nutzen.

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Die diabetische Magenlähmung ist Folge einer autonomen diabetischen Neuropathie. Zu den Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl nach dem Essen und Blähungen. Die gestörte Motilität und Entleerung des Magens machen die Blutzuckerkontrolle für den Patienten zum Drahtseilakt.

Denn wenn das Insulin schneller wirkt als die Kohlenhydrate resorbiert werden, können zum Beispiel heftige Unterzuckerungen entstehen. Hinweise auf eine gestörte Magenentleerung finden sich bei jedem vierten Diabetiker.

Außer den häufig verwendeten prokinetisch wirkenden Präparaten gibt es inzwischen auch Studien zu neuen Therapieoptionen wie Botulinumtoxin. Es wird endoskopisch in den Pylorus injziert und verringert den Spasmus des Magenausgangs, so Professor Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. So verbesserte sich in einer kleinen Untersuchung mit acht Typ-1-Diabetikern bei vier Teilnehmern die Magenentleerung.

Eine größere Studie unterstützt dieses Ergebnis: Die 63 Teilnehmer litten aus verschiedenen Gründen an einer Gastroparese. Sie erhielten eine einmalige Injektion. Als Erfolg galt, wenn ein Hauptsymptom oder zwei Nebensymptome über vier Wochen verschwanden oder zumindest schwächer wurden. Tatsächlich betrug die Ansprechrate 43 Prozent. Der Effekt hielt zudem ausgesprochen lange an: dreieinhalb Monate bei Männern und fünf Monate bei den Frauen.

Ein zweiter Wirkstoff, über den derzeit diskutiert wird, ist Ghrelin. Das gastrointestinale Peptidhormon beeinflußt unter anderem das Gefühl von Hunger und Sättigung. In einer Pilotstudie beschleunigte infundiertes Ghrelin bei Diabetikern mit Gastroparese signifikant die Magenentleerung. Jetzt wird über oral einsetzbare Analoga des Hormons nachgedacht.

Wenn andere Maßnahmen versagen, kann die Implantation eines Magenschrittmachers erwogen werden. Die elektrische Stimulation kommt als Behandlungsversuch bei therapierefraktärer Gastroparese mit Erbrechen in Betracht, sagte Ziegler beim 'Diabetes Update 2006' der Firma med update in Düsseldorf.

Eine Studie über drei Jahre ermittelte bei Patienten mit einer Gastroparese unterschiedlicher Genese einen Rückgang der gastrointestinalen Symptome um zwei Drittel. Darüber hinaus verbachten die Teilnehmer signifikant weniger Zeit als früher in Krankenhäusern und brauchten weniger Prokinetika. Bei Patienten mit Diabetes sank außerdem der HbA1c-Wert um 1,5 Prozentpunkte.

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