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Sonderforschungsbereiche

„Neurologie als medizinisches Schlüsselfach verankert“

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie sieht in der Förderung zweier neurologischer Sonderforschungsbereiche durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine große Aufwertung für die Disziplin.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Gemeinsame Forschung bringt die Neurologie voran – und die gesamte Medizin.

Gemeinsame Forschung bringt die Neurologie voran – und die gesamte Medizin.

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Berlin. Vier der Ende Mai von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekannt gegebenen zehn neuen Sonderforschungsbereiche (SFB) kommen aus dem Bereich der Medizin – zwei Projektanträge davon aus der Neurologie. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) wertet dies als Punktsieg für ihre Disziplin.

„Für die DGN ist die DFG-Fördervergabe ein großer Erfolg, denn sie illustriert den hohen Stellenwert der Neurologie innerhalb der Medizin und verankert sie als medizinisches Schlüsselfach“, erläutert DGN-Generalsekretär Professor Peter Berlit.

Die beiden ausgewählten neurologischen Projektanträge zeichneten sich durch eine hohe Innovationskraft aus und hätten zudem Strahlkraft über die Fächergrenze hinaus. „Die innovativen Ansätze aus der Neurologie werden auch anderen medizinischen Fächern zugutekommen“, ist sich Berlit sicher.

Placebo-/Nocebo-Effekte im Blick

Der SFB/Transregio (Essen, Hamburg, Marburg) „Der Einfluss von Erwartung auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen“, der mit rund 12 Millionen Euro gefördert wird, erforscht laut DGN Placebo- und Nocebo-Effekte. „Unser Ziel ist, Erkenntnisse für eine systematische Anwendung von Erwartungseffekten im Rahmen von medizinischen Behandlungen zu generieren“, erklärt SFB-Sprecherin Professor Ulrike Bingel aus Essen.

An zwei Krankheitsbildern, Schmerzerkrankungen und affektiven Störungen, solle mit experimentellen Modellen untersucht werden, welche psychologischen und neurobiologischen Mechanismen den Effekten von positiven und negativen Behandlungserwartungen zugrunde liegen und wie diese Einfluss auf die medikamentöse Therapie nehmen.

Ein besonderer Fokus solle dabei auf die Identifikation von Prädiktoren für interindividuelle Unterschiede gelegt werden – „kurz gesagt, uns interessiert, warum eine Therapie bei Patient A wirksam ist, aber trotz gleicher Voraussetzungen bei Patient B versagt“, verdeutlicht Bingel.

In ersten klinischen Proof-of-Concept-Studien solle untersucht werden, wie Erwartungseffekte für die Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen oder Depression nutzbar gemacht werden können.“ Dies werde in Essen, Hamburg und Marburg in einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Psychologen und Grundlagenwissenschaftlern erforscht.

Neuromodulation im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des zweiten neuen SFB/Transregio (Berlin, Würzburg) aus dem Bereich der Neurologie, der mit über zehn Millionen Euro gefördert wird, steht die Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation. „Basierend auf den Erkenntnissen zur tiefen Hirnstimulation bei Patienten mit M. Parkinson wollen wir die Neuromodulation als ein vielversprechendes Werkzeug zur individualisierten Therapie von Bewegungsstörungen weiterentwickeln.

Grundlegende Idee ist, bedarfsgerecht pathologische Netzwerkaktivitäten zu unterdrücken und physiologische zu verstärken, um so Krankheitssymptome zu mildern und Nebenwirkungen zu vermeiden“, erklärt SFB-Sprecherin Professor Andrea Kühn, von der Charité Berlin.

Ziel sei zunächst die effektive Behandlung motorischer Störungen, wobei das grundlegende Prinzip der Neuromodulation auf andere Hirnerkrankungen wie Schlaganfall, Trauma oder andere neurodegenerative Erkrankungen übertragen werden solle. Um das zu erreichen, müssten von molekularen und zellulären Effekten der Neuromodulation bis zur systemphysiologischen Ebene der neuronalen Schaltkreise die Interaktionen erforscht und mittels computergestützter Modellierung Netzwerkeffekte simuliert werden.

Diese Forschungsarbeiten sollen laut DGN in einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Neurowissenschaftlern und Grundlagenforschern in Berlin und Würzburg gemeinsam mit weiteren externen Partnern umgesetzt werden.

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