Nahrungsergänzung

Nur ein fraglicher Nutzen

Mit Vitaminpillen Krebs und Herzinfarkt vermeiden? Das wäre schön. Tatsächlich ist es wohl zu schön, um wahr zu sein, wie die aktualisierte Version einer systematischen Überblicksarbeit gezeigt hat.

Veröffentlicht:

PORTLAND. Zehn Jahre ist es her, dass sich die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF), ein Zusammenschluss von US-amerikanischen Spezialisten für Prävention und evidenzbasierte Medizin, letztmals zum Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Vitaminen und Mineralien geäußert hat. Es ging dabei um die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen und Krebs.

Damals zog die USPSTF den Schluss, die vorhandenen Daten reichten nicht aus, um die Einnahme von Vitamin A, C, E, Multivitaminpräparaten plus Folsäure bzw. Antioxidanzienkombinationen zu empfehlen oder davon abzuraten.

Eindeutig abgeraten wurde von Beta-Carotin - allein oder in Kombination -, weil es nicht nur nichts nütze, sondern sogar schaden könne: Das Risiko gefährdeter Erwachsener, an Lungenkrebs zu erkranken, werde durch die Einnahme erhöht.

Wissenschaftler des Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland haben sich nun daran gemacht, die Datensammlung zu Vitaminen (A, C, D, Folsäure) und Mineralien (Selen, Kalzium) auf den neuesten Stand zu bringen. 26 Untersuchungen gelangten in die Auswertung, 24 randomisierte und kontrollierte, zwei Kohortenstudien (Ann Intern Med 2013, online 12. November).

Große Veränderungen gegenüber den Erkenntnissen von 2003 kamen dabei nicht zutage. Dennoch lohnt ein Blick auf die Details. Studien akzeptabler bis guter Qualität existieren für Vitamin E und Beta-Carotin.

Für Letzteres lautet das Urteil nach wie vor: kein Nutzen, dafür Schaden insofern, als die Substanz das Lungenkrebsrisiko von Rauchern erhöht. Für Vitamin E lässt sich nunmehr durchgehend belegen, dass es weder Herz-Kreislauf-Krankheiten noch Krebs verhindern hilft.

In zwei Studien (SU.VI.MAX; Physicians‘ Health Study II) mit knapp 28.000 Teilnehmern fanden die Forscher Hinweise auf eine niedrigere Krebsinzidenz bei Männern, die länger als zehn Jahre Multivitaminpräparate einnahmen. Die Risikoersparnis betrug 6 Prozent. Bei Frauen zeigte sich kein Effekt. Die kardiovaskuläre Morbidität blieb ebenso unbeeinflusst wie die Gesamtmortalität.

Das Fazit der Wissenschaftler fällt deshalb zurückhaltend aus: Alles zusammengenommen sei es schwierig zu folgern, dass die Ergänzung der Nahrung mit Multivitaminpräparaten nützlich sei. (rb)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Vitamine als Glaubensfrage

Mehr zum Thema

Zirkadiane Unterschiede

Immuntherapie: Innere Uhr beeinflusst wohl die Wirkung

Das könnte Sie auch interessieren
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

© Leo Pharma GmbH

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

© Bristol-Myers Squibb

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

© Alpha Tauri 3D Graphics / shutterstock

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Corona-Impfung in einer kommunal organisierten Impfstelle im thüringischen Jena. Die Ärztekammer in Thüringen dringt auf eine generelle Impfpflicht, auch die BÄK hält dies angesichts der aktuellen Lage für geboten.

© Martin Schutt / dpa

BÄK-Brief an Merkel und Scholz

Ärzte drängen auf allgemeine Corona-Impfpflicht

Auch in Deutschland sollen bald Corona-Impfungen der 5- bis 11-Jährigen möglich sein.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Impfungen bei Unter-12-Jährigen

BVKJ-Chef Fischbach: „Kinder sollen jetzt den Blutzoll zahlen“

Mittlerweile bekannt: Die rote Schleife steht für Solidarität mit HIV-Patienten und soll Aufmerksamkeit für die Infektion schaffen.

© Betelgejze / stock.adobe.com

HIV/Aids

„Trauen wir uns ruhig, über Sex zu reden!“