Direkt zum Inhaltsbereich

Kleinzelliger Lungenkrebs

Nutzt eine späte Chemotherapie noch?

Werden Krebspatienten gegen Ende ihres Lebens noch chemotherapiert, geht dies mit einer kürzeren Restlebenszeit einher. Das gilt selbst dann, wenn die Tumoren auf die Behandlung reagieren.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Schwere Entscheidung: Bei einem Patienten kurz vor dem Lebensende sollte eine Chemotherapie dennoch sorgfältig erwogen werden.

Schwere Entscheidung: Bei einem Patienten kurz vor dem Lebensende sollte eine Chemotherapie dennoch sorgfältig erwogen werden.

© Arno Burgi / dpa

SHANDONG. Eine mögliche Therapie angesichts einer infausten Prognose abzubrechen oder gar nicht erst zu veranlassen, gehört zu den schwierigsten Entscheidungen in der Medizin. Für den Todkranken bedeutet das Ende der Behandlung auch das Ende der Hoffnung. Und für Ärzte ist es oft schwierig zu erkennen, wann ein Tumorleiden vom fortgeschrittenen ins terminale Stadium gewechselt hat.

Onkologen von der Krebsklinik der Universität Shandong in China haben anhand der Krankengeschichten von 143 an kleinzelligem Lungenkrebs gestorbenen Patienten untersucht, wie sich eine Chemotherapie in den letzten Wochen des Lebens auf den Krankheitsverlauf auswirkt (J Cancer Res Clin Oncol 2018; 144: 1591–1599). Im Median waren die Patienten 61 Jahre alt, 64 Prozent von ihnen hatten chemosensitive Tumoren. Die 106 Männer und 37 Frauen waren zwischen Januar 2010 und Dezember 2016 in die Studie aufgenommen worden.

Chemo einen Monat vor dem Tod

Im Durchschnitt lebten die Patienten noch 14,6 Monate. 31 Prozent der Krebspatienten erhielten während der letzten beiden Lebensmonate eine Chemotherapie, 16 Prozent auch noch im letzten Monat. Patienten, denen solche Behandlungen noch kurz vor dem Tod zuteilwurden, lebten im Durchschnitt kürzer als Patienten mit weniger aggressiver Therapie am Lebensende: Die im letzten Lebensmonat mit Chemotherapeutika Behandelten überlebten im Mittel 12,4 Monate, Patienten ohne Chemotherapie 15,4 Monate. Ähnliches war in der Untergruppe jener Patienten festzustellen, deren Tumoren chemosensitiv waren.

Patienten, die gegen Ende ihres Lebens noch chemotherapiert wurden, waren auch allgemein intensiver und aggressiver behandelt worden. Beispielsweise verbrachten sie ihren letzten Lebensmonat rund zehnmal häufiger auf einer Intensivstation als Patienten, die so spät keine Chemotherapie mehr bekamen.

Von allen Faktoren, die mit einer Chemotherapie am Lebensende in Verbindung gebracht wurden, erwies sich nur einer als signifikant: das Alter. In der Gruppe der Patienten, die das 61. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten, kam es signifikant häufiger zu solchen späten Behandlungen mit Chemotherapeutika als in der Gruppe der älteren Patienten. Geschlecht, Raucherstatus, Komorbiditäten, vorangegangene Behandlungen, Allgemeinzustand und die Zeit bis zum Rezidiv hatten hingegen keinen Einfluss.

Weitere Forschung gefordert

"Chemotherapie am Ende des Lebens ist bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs mit kürzerem Überleben und aggressiverer Versorgung korreliert", lautet das Fazit der Autoren. Sie fordern weitere Forschungen, um schließlich Indikationen zur Beendigung palliativer Chemotherapie entwickeln zu können und "Ärzten und Patienten bei ihren schwierigen Entscheidungen zu helfen".

12,4 Monate

überlebten Patienten, die noch in den letzten beiden Lebensmonaten eine Chemotherapie erhielten, im Mittel. Patienten mit weniger aggressiven Therapie am Lebensende überlebten 15,4 Monate.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Galenus-Kandidat 2026

Bispezifischer T-Zell-Engager bei kleinzelligem Lungenkarzinom

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Keine Versorgungsgerechtigkeit bei stationärer Diabetes-Behandlung

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Lesetipps
Ein langer Wurm liegt in einer behandschuhten Hand.

© Clouds Hill Imaging / Science Photo Library

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Eine Person hält zwischen Daumen und Zeigefinger eine Metformin-Tablette.

© pimpampix / stock.adobe.com

Spiegelmessung

Unter Metformin regelmäßig Vitamin B12 kontrollieren