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Öfter erst künstliche Bandscheibe statt Versteifung, sagen Chirurgen

HAMBURG (grue). Bei Bandscheibenverschleiß, wiederholtem Diskusprolaps im selben Segment und beim Postnukleotomie-Syndrom sollten häufiger als bislang künstliche Bandscheiben implantiert werden. Dafür plädieren orthopädische Chirurgen. Bislang werden betroffene Wirbelsäulensegmente eher operativ versteift.

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100 350 Versteifungsoperationen pro Jahr wegen Bandscheibenproblemen werden in Deutschland gemacht. Zuviel, meinen viele Chirurgen und plädieren für die Implantation künstlicher Bandscheiben. "Versteifen ist später immer noch möglich", sagte Dr. Alexander Kirgis von der Orthopädischen Chirurgie München auf einer Veranstaltung der Aktion Meditech in Hamburg.

Es gibt Langzeitdaten für Bandscheiben-Endoprothesen

Bandscheiben-Endoprothesen seien längst keine riskanten Neulandverfahren mehr, sondern könnten minimal-invasiv mit guten Langzeitergebnissen eingesetzt werden. "Wir erreichen damit weitgehende Schmerzfreiheit und eine im Vergleich zu Fusionsoperationen bessere Wirbelsäulenbeweglichkeit", sagte Kirgis.

Indikationen für die Kunststoff-Endoprothese sind etwa Bandscheibenverschleiß, wiederholter Diskusprolaps im gleichen Segment und das Postnukleotomiesyndrom. Für den Eingriff wird der Zwischenwirbelraum aufgespreizt und das Implantat in der gewünschten Winkelstellung eingesetzt. Die Prothesen bestehen meist aus konvexen Kunststoffkernen, die zwischen zwei konkaven Metallplatten liegen und mit ihnen mehr oder weniger fest verbunden sind.

Spinalnerven werden dekomprimiert

Eine gut sitzende Endoprothese stellt die Bandscheibenhöhe wieder her, erweitert die Nervenaustrittslöcher, dekomprimiert die Spinalnerven und entlastet die Wirbelgelenke. "Ziel ist der Erhalt der Beweglichkeit, damit die Patienten wieder arbeitsfähig werden und nach etwa drei Monaten auch sportlich voll aktiv sein können".

Der Eingriff dauert etwa zwei Stunden. Die Patienten erhalten danach für sechs Wochen eine stabilisierende Krankengymnastik und tragen in dieser Zeit ein Mieder.

Fast alle Patienten würden die Op wieder machen lassen

Die von Kliniken gemeldeten Mittel- und Langzeitergebnisse nach Bandscheibenersatz seien durchweg gut, so Kirgis. Er berichtete von 87 Patienten, denen in der Münchener Klinik vor ein bis sieben Jahren eine künstliche Bandscheibe in der LWS eingesetzt worden ist.

78 der Patienten sind damit sehr gut und gut zufrieden, sieben mäßig zufrieden und nur zwei unzufrieden. Die Frage, ob sie sich erneut einer solchen Operation unterziehen würden, beantworteten 84 der 87 Patienten mit ja.



STICHWORT

Aktion Meditech

Die Aktion Meditech ist eine gemeinsame Aktion von Industrieunternehmen, Patientenorganisationen, Ärzten und Verbänden. Sie sollen auf die Bedeutung innovativer Medizintechnologien für das Gesundheitssystem hinweisen.

Schwerpunkte der Aktion sind Patientenveranstaltungen, Medienseminare und regelmäßige Diskussionsrunden mit Beteiligten des Gesundheitswesens.

Weitere Informationen unter www.aktion-meditech.de

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