Online-Sucht - Krankheit oder Kontrollstörung?

BERLIN (dpa). Die Sucht nach dem Internet ist nach Meinung des Psychologen Thomas Hintz in erster Linie ein Jugendproblem.

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"Betroffen sind vor allem junge Leute zwischen 14 und 20 Jahren. Es geht dabei zum Beispiel um Spiele, Chats oder das Spielen mit der eigenen Identität in einer virtuellen Welt", sagte Hintz, Psychologe am Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit. Häufig sei die Online- Sucht eine Folge von Problemen wie Angst vor sozialen Kontakten, fehlendem Selbstwertgefühl oder depressiven Neigungen.

Am Wochenende wurde auf der Berliner Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bei einem Symposium über Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten einer Abhängigkeit vom Netz diskutiert. Den Begriff einer Internet-Sucht gibt es seit 1996. Doch bis heute streiten Wissenschaftler darüber, ob es sich dabei um eine eigenständige Störung handele oder eher um den Teil eines tiefliegenderen seelischen Problems, erläuterte Hintz. Als Krankheitsbild anerkannt sei eine Online-Sucht in Deutschland nicht. Wie Spielsucht oder Kleptomanie könne sie aber in die Kategorie der "Impuls-Kontroll-Störungen" eingeordnet werden, ergänzte der Experte.

Nach Studien in den USA und in Berlin schätzten Forscher heute, dass etwa zehn Prozent der Internet-Nutzer suchtgefährdet sind. Außer Jugendlichen seien es vor allem erwachsene Singles, berichtete Hintz. Ein Prozent der Nutzer sei durch diese Abhängigkeit in einen Teufelskreis geraten: Sie surften bis weit in die Nacht, fehlten in der Schule oder am Arbeitsplatz und hätten kaum noch Kontakt zu Freunden oder Familie. "Auch offline kreisen die Gedanken um das Internet", sagte Hintz. Süchtige suchten Gesprächspartner und Bestätigung in der virtuellen Welt und vernachlässigten darüber ihr soziales Leben. "Vielen Süchtigen ist ihre Isolation bewusst und sie leiden darunter."

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