Direkt zum Inhaltsbereich

Orales MS-Mittel bewährt sich in Kombis

Eine Kombitherapie mit dem neuen oralen Wirkstoff Teriflunomid senkt bei Multipler Sklerose Zahl und Volumen von MRT-sichtbaren Hirnläsionen.

Von Martin Wiehl Veröffentlicht:
Viele der bisherigen Medikamente gegen MS werden injiziert - jetzt ist ein oraler Wirkstoff in Sicht.

Viele der bisherigen Medikamente gegen MS werden injiziert - jetzt ist ein oraler Wirkstoff in Sicht.

© Sanofi-Aventis

TORONTO. Teriflunomid wird zur Zeit vom Unternehmen Sanofi-Aventis zur MS-Therapie geprüft. Es blockiert die De-novo-Synthese von Pyrimidin und reduziert damit die T- und B-Zell-Proliferation, ohne zytotoxisch zu wirken. Es ist der Hauptmetabolit von Leflunomid, das als Prodrug schon seit Jahren bei Rheumatoider Arthritis angewandt wird. Als Monotherapie bei schubförmiger MS hat sich Teriflunomid in Dosierungen von 7 und 14 mg/d bereits als wirksam zur Reduktion von MRT- sichtbaren Läsionen um über 60 Prozent erwiesen.

Als Zusatz zu Interferon-beta hatten sich nach 24 Wochen dosisabhängig die Zahl Kontrastmittel-anreichernder T1-Läsionen um 56 Prozent verringert (mit 7 mg) sowie um 81 Prozent (mit 14 mg). Darüber hinaus senkte eine Dosis von 14 mg die Schubrate deutlich, sagte Professor Mark Freedman aus Ottawa in Kanada auf dem Kongress der US-Neurologengesellschaft AAN in Toronto. Die Sicherheit und Verträglichkeit dieser Kombinationstherapie seien hinreichend gut, die Arzneien wirkten synergistisch.

Auf dem AAN stellte Freedman nun Daten einer dreiarmigen Studie vor, in der Teriflunomid auch in Kombination mit Glatirameracetat geprüft wurde. 123 Patienten mit schubförmiger MS, die bislang mit Glatirameracetat behandelt worden waren, erhielten nun zusätzlich 7 mg oder 14 mg Teriflunomid oder Placebo. Von den Patienten hatten unter der Glatirameracetat-Monotherapie knapp 60 Prozent weitere Schübe im vorausgegangenen Jahr gehabt.

Die Studie hatte allerdings gleich zu Beginn einen Schönheitsfehler, räumte Freedman ein. Denn die Randomisierung führte zufälligerweise dazu, dass die drei Gruppen nicht mit vergleichbarer Krankheitsaktivität in die Studie starteten. So waren in der 7-mg-Gruppe doppelt so viele Patienten mit Gadolinium anreichernden Läsionen als in den beiden anderen Gruppen (29 Prozent versus 13 und 15 Prozent).

Auf dieses Ungleichgewicht führte Freedman zumindest teilweise zurück, dass nach 24 Wochen Kombinationstherapie der Anteil der Patienten, die frei von Kontrastmittel anreichernden Läsionen waren, in der Gruppe mit 7 mg Wirkstoff mit 61 Prozent geringer ausfiel als in der Placebogruppe (73 Prozent) und in der 14-mg-Gruppe (82 Prozent).

Mit der schlechten Verteilung lasse sich auch erklären, dass die Zahl der Läsionen in der 7-mg-Gruppe signifikant abnahm, nicht aber in der 14-mg-Gruppe. Das Volumen der Läsionen verringerte sich allerdings wieder dosisabhängig, wobei in der 14-mg-Gruppe auch das Signifikanzniveau erreicht wurde.

Die Sicherheit und Verträglichkeit der Kombination aus Teriflunomid und Glatirameracetat bezeichnete Freedman als ähnlich der Kombinationstherapie aus Teriflunomid und Interferon beta.

Als unerwünschte Ereignisse traten mit der Kombitherapie dosisabhängig vor allem Hautprobleme auf. Wegen unerwünschter Ereignisse brachen sieben Patienten die Studie ab: drei in der 7-mg- und vier in der 14-mg-Gruppe.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Lesetipps
Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?