Pandemie-Vakzine für die gesamte Bevölkerung geplant

LANGEN (run/mut). Anfang 2006 soll es in Deutschland ein Verfahren zur Herstellung eines Grippe-Pandemie-Impfstoffs geben. Damit ließe sich genug Vakzine produzieren, um die gesamte Bevölkerung zu impfen. Allerdings würde es vom Beginn einer Pandemie bis zur Herstellung genügender Impfstoffmengen drei bis fünf Monate dauern.

Veröffentlicht:

Bei den Vakzinen, die jetzt in Deutschland entwickelt werden, handelt es sich um Prototypen von Pandemie-Impfstoffen. Sie werden aus derzeit kursierenden H5N1-Vogel-Influenza-Stämmen hergestellt.

So wurde von Labors in Zusammenarbeit mit der WHO ein H5N1-Virusstamm so modifiziert, daß er in Hühnereiern gezüchtet werden kann. Darauf hat Professor Johannes Löwer vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen hingewiesen. Das als Saatvirus bezeichnete modifizierte Virus können Impfstoffhersteller jetzt zur Entwicklung von Vakzinen beziehen.

Bei der Vakzine-Entwicklung gehe man jedoch einen anderen Weg als Kollegen in den USA, die vor kurzem über die erfolgreiche Entwicklung eines Pandemie-Impfstoffs berichtete hatten, sagte Löwer im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". So hätten die US-Kollegen für ihren Impfstoff keine Adjuvantien verwendet, die die Wirkung der Immunisierung verstärken.

Auch hätten sie die Viren aufgebrochen, was den Impfstoff zwar verträglicher mache als eine Vakzine mit ganzen Viren, wodurch es jedoch zu Verlusten beim Aufreinigen des Impfstoffs komme. Als Folge sei für eine Immunisierung eine Dosis nötig, die 180 µg Hämagglutinin entspricht. "Wenn man 180 µg pro Person benötigt, würde es Jahre dauern, genügend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung zu produzieren", sagte Löwer.

Der Leiter des PEI hält daher einen anderen Ansatz für effizienter. So habe bereits ein Unternehmen eine Ganzvirus-Vakzine mit Adjuvantien gegen einen anderen potentiellen Pandemie-Stamm entwickelt, bei der eine Dosis von 10 µg Hämagglutinin pro Person zur Immunisierung genügt. Man geht davon aus, daß bei den Vakzinen, die jetzt mit einem ähnlichen Verfahren in Deutschland gegen H5N1 entwickelt werden, ähnlich geringe Mengen benötigt werden, so Löwer.

Bei einer Pandemie müsse jedoch aus dem aktuellen Pandemie-Virus eine neues Saatvirus hergestellt werden, was sieben Wochen dauern könne. Diese Zeit könne man möglicherweise sparen, wenn man aus neu auftretenden H5N1-Varianten sofort Saatviren herstellt. Aus solchen Saatviren ließe sich dann mit dem Verfahren, das bis Anfang 2006 zugelassen sein soll, innerhalb von drei Monaten genügend Impfstoff für die Bevölkerung produzieren.

Mehr zum Thema

Influenza-Saison 2026/27

Bestellung von Grippe-Impfstoffen: jetzt!

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ärztliche Pflichttätigkeiten

Zehn Praxis-Tipps für die Leichenschau

Voraussetzungen für neue Kassenleistung

Lungenkrebs-Screening: Wie gut sind Praxen vorbereitet?

Schulterblick

Wie eine Wiesbadener Hausärztin ihre Praxis digitalisiert

Lesetipps
Formular 21 - wie es richtig ausgefüllt wird, war in den vergangenen Jahren nicht allen Ärzten klar.

© Fernando Gutierrez-Juarez / dpa / picture alliance

Bescheinigung eines erkrankten Kindes

Kinderkrankenschein: So wird Formular 21 richtig ausgefüllt

Ein Arzt lädt Daten in die E-Patientenakte hoch

© Daniel Karmann/dpa/picture alliance

Elektronische Patientenakte im Versorgungsalltag

Bei diesen ePA-Baustellen müssen Praxen auf Behelfslösungen setzen