Analyse

Pendeln geht auf die Psyche

Mit der Entfernung zum Arbeitsort steigt bei Berufspendlern die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung. Das hat die AOK herausgefunden.

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Wochenendpendler sind anfälliger für psychische Erkrankungen, so das Wissenschaftliche Institut der AOK.

Wochenendpendler sind anfälliger für psychische Erkrankungen, so das Wissenschaftliche Institut der AOK.

© Jörg Engel / Fotolia

BERLIN. Mit der Entfernung zum Arbeitsort steigt bei Berufspendlern die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung. Das scheint insbesondere Wochenendpendler zu betreffen, die extrem große Strecken überwinden müssen: Wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) ermittelt hat, liegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei denjenigen, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zurücklegen müssen. Selbst, wenn Letztere dies täglich tun.

Immerhin 10,6 Prozent der über 13 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder wiesen im vergangenen Jahr einen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern auf. Bei knapp 58 Prozent lagen Wohn- und Arbeitsplatz bis zu zehn Kilometer auseinander. Letztere kamen 2017 im Schnitt auf elf Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 AOK-Mitgliedern aufgrund psychischer Erkrankungen.

Vor allem zwischen 30 und 39 Jahren wird oft gependelt

 Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern waren es laut WIdO bereits 12 Fälle und bei mehr als 500 Kilometern 12,6 Fälle. Treiber sei dabei die Diagnose "Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen" (ICD F43). Hierunter fallen nach Angaben des Instituts depressive Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen.

Vor allem die 30 bis 39-Jährigen pendeln, so das WIdO. Im Schnitt legen sie eine Distanz von 26,5 Kilometern zum Arbeitsplatz zurück.

Ein Wohnortwechsel näher zum Arbeitsplatz zahlt sich dabei offenbar gesundheitlich aus: "Wird die Distanz zum Arbeitsort durch einen Wohnortwechsel verkürzt, kann die relative Wahrscheinlichkeit von Fehltagen aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent reduziert werden", so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. (reh)

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