Plädoyer für die Influenza-Impfung von Kindern

ERFURT (eis). Kleine Kinder kommen wegen Influenza-Komplikationen ähnlich oft in die Klinik wie alte Menschen, denen die Impfung empfohlen wird. Beim 3. Deutschen Influenza-Kongress in Erfurt plädierten Experten daher für die Influenza-Impfung von Kindern.

Veröffentlicht:

Influenza-Viren sind in Deutschland nach Rhinoviren und RSV die dritthäufigste Ursache für schwere Atemwegsinfekte, die bei Kindern eine stationäre Therapie erfordern. Das hat Professor Markus Knuf von der Unikinderklinik in Mainz berichtet. Wegen anatomischer Besonderheiten erkrankten Kleinkinder besonders schwer an Influenza: Ein nur 1 mm starkes Ödem im Bereich des Ringknorpels zum Beispiel erhöhe bei ihnen den Atemwiderstand 16fach, im Vergleich zu 3fach bei Erwachsenen.

Todesfälle durch Influenza würden bei Kleinkindern zwar sehr viel seltener als bei alten Menschen be-obachtet, aber sie kämen vor, betonte der Pädiater. So wurden in den USA während der Grippesaison 2003/04 insgesamt 153 an Influenza-Komplikationen gestorbene Kinder registriert. Knapp zwei Drittel von ihnen waren jünger als zwei Jahre alt und knapp die Hälfte der Gestorbenen war vor der Infektion gesund. In den USA wird deshalb bereits seit fünf Jahren die Impfung aller Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten empfohlen.

Aber auch die Impfung von Schulkindern würde sich lohnen, so Knuf. So erkranken ältere Kinder in der Regel zwar nicht so schwer wie Kleinkinder, doch sie infizieren sich besonders oft mit Influenza und geben die Viren als sogenannte Superspreader in der Bevölkerung weiter. 15 bis 40 Prozent der Kinder würden nach Schätzungen bei Grippewellen symptomatisch infiziert. "Viele Argumente sprechen sehr eindeutig für die universelle Grippe-Impfung von Kindern", so Knuf.

Allerdings seien Studien zur Langzeit-Verträglichkeit und Wirksamkeit etwa der adjuvierten Impfstoffe noch nicht abgeschlossen. Bisher hätten sich auch inaktivierte Lebendimpfstoffe, die es bei uns noch nicht gibt, bei Kindern als besonders wirksam erwiesen. Bereits heute rät die Ständige Impfkommission, Kinder mit chronischen Krankheiten jährlich zu impfen, etwa Kinder mit Herzkreislauf- oder Atemwegsleiden oder mit Diabetes.

Mehr zum Thema

Influenza-Saison 2026/27

Bestellung von Grippe-Impfstoffen: jetzt!

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?